Eine große Kunstinstallation erzählt die traurige Geschichte von tausenden Flüchtlingen: Das Werk der Künstlerin Kerstin Wickel machte in der Eingangshalle des Kreishauses Osnabrück auf die im Mittelmeer ertrunkenen Geflüchteten aufmerksam. Daran anknüpfend beleuchtet eine Ausstellung mit großformatigen Fotos von Franz Rzehak Gedanken und Wünsche verschiedener Flüchtlinge, die ins Osnabrücker Land gekommen sind.

Für ihre Installation verwendete Wickel die Materialien Stoff, Sand, Karton und Stahl. Die einzelnen Bausteine des Werkes und die verschiedenen Formen bilden eine Symbolik. Betrachtet man die Gesamtheit der Installation, die Beziehungen, welche die einzelnen Bausteine miteinander eingehen, beginnt das künstlerische Werk seine Geschichte zu erzählen. Am Boden befindet sich in Spiralform eine Textilarbeit aus hellem Stoff mit abgenähten Fächern. Es sind 5000. Diese Zahl bezieht sich auf die wahrscheinliche Anzahl Ertrunkener im Mittelmeer im Jahr 2016. Jedes der 5000 Fächer ist gefüllt mit einer feinkörnigen Substanz, die an Meeressand erinnert.

Wenn man „auf Sand gebaut hat“, ließ man sich auf etwas sehr Unsicheres ein oder wenn etwas „im Sande verläuft“, blieb es erfolglos. Über der Stoffspirale scheint ein geometrischer Körper zu schweben. Er ist aus Karton, zwei Meter lang, einen Meter breit und etwa 15 Zentimeter hoch. Diese Maße haben Steinplatten auf Gräbern. Auf Friedhöfen zum Gedenken an alle „namenlosen Toten“ bleiben sie unbeschriftet. Die Kartonplatte wird durch eine Stahlkette ergänzt, die von einem Anker stammen könnte. Sie weist unseren Blick nach oben doch das Ende der Kette bleibt offen und der Betrachter kann den Urheber nur erahnen.

Wunsch nach Frieden, Freiheit und Recht

Kreisrat Matthias Selle empfing beide Kunstschaffenden im Kreishaus. Bei Kerstin Wickel, aktive Künstlerin im Verein für bildende Kunst Bramsche, bedankte sich Selle für den Einsatz: „Mit Ihrer Kunst haben Sie in den letzten Wochen viele Bürgerinnen und Bürger, die zu Gast im Kreishaus waren, nachdenklich gestimmt.“ Auch von der Ausstellung von Franz Rzehak war der Kreisrat angetan: „Wenn man in die Gesichter der Geflohenen sieht, wird einem das immer noch aktuelle Thema wieder einmal sehr nahe gebracht.“

Rzehak zeigt in seiner Ausstellung 20 großformatige Fotos von jungen Flüchtlingen aus Afrika, deren Flucht aus ihrer Heimat unterschiedliche Gründe hatte. Neben den Fotos haben sie ihre Gedanken und Wünsche vor allem nach Frieden, Freiheit und Recht niedergeschrieben. Die Bilder entstanden 2017 in der Landesaufnahmestelle Niedersachsen in Bramsche-Hesepe. Rzehak ist Gründungsmitglied des Vereins für bildende Kunst e.V. und bevorzugt in seiner künstlerischen Fotografie besonders die Techniken schwarzweiß, digital und experimentell. Durch Abdunkelung des Hintergrundes und Reduktion der Farbe entsteht der volle Fokus auf das Gesicht des Fotografierten.
Kerstin Wickels Installation war im Eingangsbereich des Kreishauses zu sehen. Die Ausstellung von Franz Rzehak kann bis zum 29. April auf der 3. Ebene des Kreishauses während der Öffnungszeiten besucht werden.

Foto: Kreisrat Matthias Selle (von links) empfing Kerstin Wickel und Franz Rzehak (rechts) gemeinsam mit Monika Altevogt (Kulturbüro) im Kreishaus.