Auch in Osnabrück sind freie gute Wohnungen, die auch bezahlbar sind, schwer zu finden. Für die Forderung nach einer kommunalen Wohnungsgesellschaft gibt es viele gute Gründe. Während der bundesweiten Aktionswoche des DGB „Wir reden über Wohnen“ trafen sich jetzt in Osnabrück die Gewerkschafter bei bestem Wetter auf dem Nikolaiort und machten es sich für Gespräche mitten auf dem Platz in einer Sitzgruppe bequem.

Natürlich blieben sie bei diesem Thema nicht allein, so konnten die DGB-Stadtverbandsvorsitzende Nicole Verlage und die DGB-Kreisverbandsvorsitzende Petra Tiesmeyer einige interessante Interviews zur Wohnsituation führen. Betriebsräte berichteten über vielfältige Probleme bei der Wohnungssuche ihrer Kollegen und die besonderen Schwierigkeiten in Verbindung mit der Suche nach Fachkräften.

Der Betriebsrat der Fa. Wiemann-Möbel in GM-Hütte machte deutlich, wie sehr die Mieten auch im Landkreis angestiegen sind, da wegen der Höhe in der Stadt viele dort wegzögen und in die Umlandkommunen ausweichen. Gewerkschafter von IG Metall, NGG und ver.di machten deutlich, dass die ausgehandelten Lohnerhöhungen oft nicht die Mieterhöhungen kompensieren könnten. „Es ist einfach zu viel, wenn 35 – 45 % des Einkommens allein für das Dach über dem Kopf ausgegeben werden müssen.“, so Stefan Deeters von der IG Metall.

Ein Erzieher erzählte von den Schwierigkeiten, die das gute, bezahlbare Wohnen für viele Eltern seiner Schützlinge inzwischen zu einem riesen Problem machen.
Ein Pfleger gab an, dass sein Wunsch nach einer größeren Wohnung für seine drei Kinder für ihn nicht finanzierbar ist und er deswegen mit seiner Familie weiterhin beengt wohnen bleibt.

Seniorengerecht, aber nicht bezahlbar

Ein Vertreter des Seniorenbeirates der Stadt Osnabrück gab an, dass die vielen schönen, neuen und barrierefreien Wohnungen in Osnabrück für die ganz überwiegende Zahl der Renter nicht erschwinglich sind, so dass diese Neubauten dem tatsächlichen Zweck nicht gerecht werden.

Für den ‚Runden Tisch gegen Kinderarmut‘ wurde festgestellt, dass dieser zwar vom Rat der Stadt ins Leben gerufen wurde, die Beratung aber bei einer knappen Mehrheit dort nicht ernst genommen wird. Auch der Runde Tisch drängte bereits mehrfach auf die kommunale Wohnungsgesellschaft, damit die Stadt in ihrer Verpflichtung für die Daseinsvorsorge mehr für Familien mit Kindern beeinflussen kann.

Keine gewinnorientierte Aktiengesellschaft

Ein streitbarer Mieter von VONOVIA gab nach seiner Recherche den Reingewinn der bundesweit tätigen Gesellschaft mit 1.000 Millionen Euro im vergangenen Jahr an, was für die Aktionäre von jedem dieser Euro 0,36 Cent Dividende bedeute. Die Antwort des Osnabrücker Bündnisses für bezahlbaren Wohnraum kam in einem weiteren Interview darauf: „Eine kommunale Wohnungsgesellschaft ist nicht gewinnorientiert wie eine Aktiengesellschaft. Deswegen ist sie für die Stadt Osnabrück wichtig und richtig.“, so Klaus Schwietz vom Bündnis.

Alle Akteure und Interviewten fordern die Osnabrücker auf, am Tag der Europawahl am 26. Mai auch am Bürgerentscheid für die kommunale Wohnungsgesellschaft teilzunehmen und ihr Kreuz bei „Ja“ zu machen.