Start Osnabrück DFL, VfL oder Fans: Wer bestimmt über die Zukunft der Bremer Brücke?

DFL, VfL oder Fans: Wer bestimmt über die Zukunft der Bremer Brücke?

Diskussion im Haus der Jugend über die Zukunft der Heimat des VfL

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Die rührige VfL-Fanabteilung lud am bislang heißesten Tag des Jahres zum Informations- und Diskussionsabend ins Haus der Jugend ein. Das Thema lautete schlicht und ergreifend „Bremer Brücke“. Weiter hieß es in dem Aufruf: „Das Stadion an der Bremer Brücke ist die Heimat und der ganze Stolz des VfL Osnabrück. Dieser Ort gibt dem VfL seine Identität!“

Eingeladen waren Präsident Manfred Hülsmann, Geschäftsführer Jürgen Wehlend und Pressesprecher Sebastian Rüther. Sehr bedauerlich war, dass sich niemand von der Stadt blicken ließ, schließlich hängt nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart und Zukunft des VfL vom Wohlwollen der Stadt ab. Durch den Abend führte gewohnt souverän Burkhard Tillner vom NDR.


Gibt es ein Leben ohne Power Point?


Dass trotz der widrigen Bedingungen – im Saal war es noch heißer als draußen – 118 Fans kamen, zeigt, wie groß das Interesse am Thema Bremer Brücke ist. Tillner musste allerdings fast eine Stunde auf seinen Einsatz warten, weil sich der offenbar völlig klimaneutrale Jürgen Wehlend wie üblich zu einem Power-Point-Beitrag hingerissen fühlte, der mit Leichtigkeit auf ein Drittel der Zeit hätte gekürzt werden können. Dann hätte man allerdings auf die wunderschöne Nahaufnahme der drei Musketiere – er, also Wehlend, gemeinsam mit Daniel Thioune und Benjamin Schmedes – und auf weitere sensationelle Erkenntnisse wie „wir sind wider Erwarten aufgestiegen“ und ähnliche Hitzewallungen verzichten müssen. Auch dort besteht also Verbesserungsbedarf.

VfL-Präsident Manfred Hülsmann, Moderator Burkhard Tillner (NDR), Pressesprecher Sebastian Rüther und Geschäftsführer Jürgen Wehlend im Haus der Jugend (v.l.n.r.)
VfL-Präsident Manfred Hülsmann, Moderator Burkhard Tillner (NDR), Pressesprecher Sebastian Rüther und Geschäftsführer Jürgen Wehlend im Haus der Jugend (v.l.n.r.), Foto: Wefel 

Gibt es ein Leben ohne die Bremer Brücke?

Egal, irgendwann wurde dann eine PP-Folie nach der anderen abgearbeitet und es blieben sogar einige Informationen hängen.
Durch den Aufstieg in die zweite Liga ist der VfL gezwungen, die Bremer Brücke „zweitligatauglich“ zu machen. Und so galt es, schon zu Saisonbeginn etliche Bedingungen zu erfüllen, weitere Schritte werden peu à peu abgearbeitet. Wirklich eine Mammutaufgabe, um die die VfL-Verantwortlichen wahrhaftig nicht zu beneiden sind.
„Mit diesem Stadion werden wir uns auf Dauer auch nicht in der 3. Liga halten können“, meinte Wehlend, ohne genauer zu begründen, warum das so ist. Da die in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudien über die Zukunft der Bremer Brücke erst Anfang nächsten Jahres vorliegen, konnte an diesem Abend ohnehin nur über Hypothesen gesprochen werden

Drei Szenarien

Der VfL entwarf deshalb in weiser Voraussicht drei Szenarien:

  • Szenario A: „Alles bleibt beim Alten“
  • Szenario B: „Alte Heimat, neues Zuhause“
  • Szenario C: „Bau einer Multifunktionsarena“

Szenario A ergibt sich von selbst und hieße, nur die allernotwendigsten Auflagen der DFL zu erfüllen
Szenario B werde derzeit eindeutig bevorzugt, so Wehlend mit Nachdruck, wobei eines der größten Probleme der begrenzte Platz sei. Deshalb stehe man bereits mit dem Osnabrücker Stadion-Spezialisten Stefan Nixdorf in Kontakt, der ein Verfechter der englischen Stadion-Geometrie sei.

Zunächst sprach Wehlend nur davon, dass man die Mindestkapazität (15.000 Plätze, davon in der 2. Liga 4.500 Sitzplätze) erreichen müsse. Auf Nachfrage aus dem Publikum war dann von „17 bis 18.000“ Gesamtkapazität die Rede, die bei Einrichtung eines Gästeblocks in „Omas Ecke“ möglich sein könne.
Zudem können man sich hinter der Ost- und Südtribüne Multifunktionstrakte vorstellen. Ziel sei, die gesamte Brücke rundum auf Höhe der Nordkurve zu bekommen, wenn es denn der beengt zur Verfügung stehende Raum zulasse.

So könnte die Bremer Brücke nach einem "Vollumbau" aussehen (aus PowerPoint-Präsentation des VfL)
So könnte die Bremer Brücke nach einem „Vollumbau“ aussehen (aus PowerPoint-Präsentation des VfL)

Runderneuerte Brücke oder Neubau?

Auf Szenario C ging dann Präsident Hülsmann näher ein, wenngleich es einen Tag zuvor im vorauseilenden Gehorsam ein Interview in der NOZ mit ihm gegeben hatte, in dem eigentlich schon vieles von dem stand, was an dem Abend erst besprochen werden sollte. Lange Rede kurzer Sinn: Man wolle auch in dem Fall gerüstet sein und schaue sich unverbindlich nach geeigneten Grundstücken um.
Weiterhin wurde darüber informiert, dass ein Neubau ungefähr die gleichen Kosten wie eine komplett runderneuerte Bremer Brücke verursache, ohne Zahlen zu nennen.

Auf die fast ängstlich vorgetragene Nachfrage eines Fans, ob es derzeit wirklich kein K.o.-Kriterium gebe, das gegen ein Festhalten an der Bremer Brücke spreche, verneinte Hülsmann entschieden.
Im Gegensatz zum VfL-Präsidenten bekam Sebastian Rüther keinmal zum Zug, was bei einem Dampfplauderer wie Wehlend aber auch nicht weiter verwundert, der ihm selbst den Hinweis auf „Wasser zum Einkaufspreis“ abnahm.

Eine von Moderator Burkhard Tillner durchgeführte Abstimmung unter den noch etwa 100 anwesenden Fans ergab schließlich, dass sich 95% einen VfL nur an der Bremer Brücke vorstellen können, 5% auch in einem neuen Stadion im Irgendwo.

Fazit und Kommentar des Autors

Es wurde überhaupt nicht die Frage gestellt, wer diesen ganzen Wahnsinn bezahlen soll. Bei den immer grotesker anmutenden Auflagen der DFL, die in erster Linie auf die vermeintlich notwendigen Anforderungen des Pay-TV Rücksicht nehmen, muss die Frage erlaubt sein, wie lange man mit diesem Wettrüsten noch Schritt halten möchte. Was kommt als nächste Forderung? Alle Stadien müssen komplett überdacht, der Rasen ausfahrbar und im Stadion muss eine durchgehende Wohlfühltemperatur von 21,7 Grad gewährleistet sein?

Zum Abschluss zitiere ich den User „Netzberg“ aus dem VfL-Treffpunkt:
„Denke, viele Spiele wurden gewonnen nur, weil der Brücken-Roar da war. Gerade wo wir der Underdog waren. Unser Stadion ist nicht bloß Tradition und wo heute das Herz schlägt, sondern ein geiler Zweckbau als Mittel zum Sieg. Wer die Stadionfrage neu denkt, wirft 120 Jahre weg für austauschbaren reinen Kommerz.“

Kalla Wefel
Kalla Wefel saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär. Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Kabarettist, Musiker, Journalist und Autor.

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