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Montag, Dezember 9, 2019


Start Osnabrück Der VfL Osnabrück verliert beim Schlusslicht SV Wehen Wiesbaden 2:0

Der VfL Osnabrück verliert beim Schlusslicht SV Wehen Wiesbaden 2:0

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Unterschiedliche Ausgangsvoraussetzungen

Die beiden Aufsteiger, die in der vergangenen Drittligasaison im direkten Aufeinandertreffen jeweils ein Duell für sich entscheiden konnten, gingen unter völlig verschiedenen Voraussetzungen in die Partie: Wehen startete im Gegensatz zum VfL Osnabrück mit gerade mal einem einzigen Punkt und 23 Gegentreffern aus sieben Partien in die zweite Liga, der VfL hingegen mit zehn Punkten und nur sechs Gegentreffern.
Platz 8 traf auf Platz 18.

Daniel Thioune hatte vor dem Spiel gesagt, man wolle den Abstand halten, was auf gut Deutsch heißt: Wenigstens ein Unentschieden sollte erreicht werden. Wehens Trainer Rüdiger Rehm stellte zum ersten Mal den zweimaligen U20-Nationalspieler Jan-Christoph Bartels ins Tor. Für Álvarez und Klaas standen Schmidt und Heider beim VfL in der Anfangsformation.
Wehen ist zwar eigentlich ein Stadtteil von Taunusstein, doch wurde die Profiabteilung des SV in das nur zehn Kilometer entfernte Wiesbaden verlagert. Dort hatte es übrigens den ganzen Tag geregnet, so dass der Boden, aus dem einst die Brita-Arena gestampft worden war, recht tief war.

Früheste Torwartauswechslung in der 2. Fußballbundesliga aller Zeiten


Torwart Jan-Christoph Bartels Wehen Wiesbaden muss verletzt vom Platz; Foto: imago images / osnapix
Torwart Jan-Christoph Bartels muss verletzt vom Platz; Foto: imago images / osnapix

Dann gleich zu Beginn ein fast tragikomischer Vorfall: Neuling Bartels verletzte sich – vermutlich eine schmerzhafte Oberschenkelzerrung – und die geschasste Nummer 1, Lukas Watkowiak, kam auf den Platz. Es handelte sich um die früheste Auswechslung eines Torwarts aller Zeiten in der 2. Liga. Gute Besserung auch von hier an Jan-Christoph Bartels.
Die ersten zwanzig Minuten bestimmte der VfL zwar fast wie gewohnt die Partie, doch ohne eine einzige zwingende Torchance. Nach einem Eckball von Aigner in der 23. Minute erzielte Wehen dann wie aus dem Nichts das 1:0 durch den sträflich am Torraum freistehenden Dams, der den Ball nur über die Linie bringen musste.
In der 26. Minute gab es für Schäffler die gelbe Karte, der Schmidt unsanft zu Fall gebracht hatte. In der 33. Minute die erste wirklich große Chance des Spiels in der bis dahin schlichtweg schlechten Partie: Dittgen flankte von links auf den rechts am Torraum völlig freistehenden Aigner, der den Ball aber über das Tor hämmerte.

Ein schwaches Spiel auf beiden Seiten

Wenig später erneut eine Schrecksekunde für den VfL: Kuhn hämmerte den Ball aus 22 Metern ans rechte Toreck, das wäre das 2:0 gewesen. In der 39. Minute erhielt Niemeyer Gelb für ein Foul an Amenyido, der anschließende Freistoß aus der rechten Wehener Hälfte führte zur ersten Großchance des VfL: Schmidt schlug das Kunstleder in den Strafraum, Heider nahm den Ball hervorragend an und lenkte ihn per Kopf quer durch den Wehener Strafraum an den rechten Pfosten. Diese Aktion nährte immerhin neue Hoffnungen beim Osnabrücker Anhang, als es wenige Minuten später in die Halbzeit ging.
Das Schlusslicht lag trotz eines schwachen Spiels gegen einen noch schwächeren VfL durchaus verdient in Führung.

Beide Teams begannen die zweite Hälfte mit unveränderter Aufstellung

Neben dieser Tatsache war das Aufregendste zunächst ein Gelbfoul von Aigner an Wolze. Zwar hatte der VfL stets mehr Ballbesitz, doch Wehen machte einen gefestigteren Eindruck. In der 55. Minute gab es einen Freistoß aus 25 Metern, den Kuhn aber dem gewohnt sicher wirkenden Kühn direkt in die Arme schoss. Wehen hatte nun mehr vom Spiel und der VfL wirkte erstaunlich ideenlos gegen diese äußerst bieder auftretende Wiesbadener Mannschaft.
In der 63. Minute endlich wieder ein Chance für den VfL. Der plötzlich freistehende Heyer spielte im Wehener Strafraum in die Mitte auf Girth, der aber an der vielbeinigen Abwehr der Gastgeber scheiterte. Eine Minute später wechselten beide Trainer: Für Girth kam Friesenbichler und für Schmidt „Unterschiedsspieler“ Álvarez ins Spiel. Bei den Wehenern ging Dittgen für Kyereh raus.

Bashkim Ajdini; Foto: imago images / Jan Huebner
Bashkim Ajdini; Foto: imago images / Jan Huebner

Der VfL rannte seiner Form hinterher

Wer nun hoffte, dass das Spiel des VfL zwingender wurde, konnte lediglich einen Schussversuch von Álvarez in der 70. Minute als Plus verbuchen. Viel mehr passierte auf Osnabrücker Seite nicht mehr.
Dann in der 83. Minute der endgültige Knockout, eingeleitet durch einen Abschlag von Torwart Watkowiak, der auf diese Weise praktisch zum Matchwinner wurde: Sein Abschlag überwand das gesamte Mittelfeld, Kyereh legte mit dem Kopf auf Schäffler ab, der ließ Taffertshofer gleich zweimal alt aussehen und danach Kühn keine Chance.
In der Nachspielzeit noch fast das 3:0. Erst lenkte Schäffler einen Schuss von Kyereh an den linken Pfosten, dann scheiterte Titsch-Rivero mit dem Nachschuss an den rechten Pfosten, bis Kyereh den Ball über das Tor schoss.

Verdienter Verlierer in einer nicht zweitligareifen Partie

Obwohl der VfL mehr als 70% Ballbesitz hatte, verhielten sich die Wehener bei den meisten Aktionen in einer spielerisch von beiden Seiten schwach geführten Partie entschiedener und konsequenter in den Zweikämpfen. Ernüchternd war, dass der VfL gegen einen solch technisch limitierten Gegner keine Mittel fand und sein schwächstes Spiel dieser Saison ablieferte. Einzig Philipp Kühn erlangte Normalform in einer ansonsten desolat auftretenden Mannschaft.
Der VfL muss nun aufpassen, in der Tabelle nicht weiter nach unten zu rutschen. Noch ist das Team im Soll. Gegen die Arminia aus Bielefeld, die parallel 0:1 zu Hause gegen Stuttgart verloren hat, gilt es nun am 7. Oktober die bislang so starken Leistungen an der Bremer Brücke zu bestätigen, zumal es eine Binsenweisheit ist, dass in dieser Liga jeder jeden schlagen kann.

Zuschauer: 3.723, davon etwa 350 aus Osnabrück
Tore: 1:0 (23.) Dams, 2:0 Schäffler (83.)

VfL: Kühn – Ajdini, Heyer, van Aken, Wolze (78. Farrona Pulido) – Taffertshofer, Blacha – Schmidt (64. Álvarez), Amenyido, Heider – Girth (64. Friesenbichler)

SV Wehen: Bartels (3. Watkowiak) – Kuhn, Mockenhaupt, Dams, Dittgen (64. Kyereh) – Mrowca, Aigner (82. Chato), Lorch – Titsch-Rivero, Kyereh – Schäffler

Schiedsrichter: Benjamin Cortus

 

Kalla Wefelhttps://kallawefel.info/
Kalla Wefel saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär. Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Kabarettist, Musiker, Journalist und Autor.


 

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