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Der 1. FC Nürnberg gewinnt 1:0 gegen den VfL Osnabrück

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Der VfL verliert sein viertes Heimspiel in einer Partie, die keinen Sieger verdient gehabt hätte. 

Vor dem Spiel

Daniel Thioune erinnerte auf der Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel an den 1:0-Sieg der Nürnberger in der Hinserie und daran, dass er die Clubberer noch immer zu den vier gefühlten Erstligisten zähle, nämlich zu Hannover 96, VfB Stuttgart und den HSV.
Immerhin hätten sich die Nürnberger in der Winterpause bis Saisonende mit zwei Leihspielern aus der Premier League verstärkt: Innenverteidiger Konstantinos Mavropanos von FC Arsenal London und Linksverteidiger Philip Heise von Norwich City.
Nach dem 1:1 in Darmstadt sei es zudem erstrebenswert, so Thioune weiter, mal wieder ein Spiel mit zehn Feldspielern zu beenden.
Soweit Daniel Thioune.
Vom Hinspiel bleibt vor allem auch die schwere Verletzung von Stammtorwart Nils Körber in Erinnerung, der danach monatelang ausfiel. Dass Philipp Kühn ihn von da an nahtlos ersetzte und sogar zum Publikumsliebling avancierte, ist wohl die bis heute erfreulichste und überraschendste Randerscheinuing in dieser Saison.
Nach der gelb-roten Karte im Spiel gegen Sandhausen mussten die Rollen im Tor erneut getauscht werden und so war heute vor dem Anpfiff die spannendste Frage: Kehrt Kühn als die neue Nummer Eins ins Team zurück?
Bei bewölktem Himmel um die zehn Grad durfte man also zum wiederholten Male auf die Aufstellung gespannt sein.
Die Torwartfrage fiel, warum auch immer, zugunsten von Körber aus. Für den leicht angeschlagenen Agu kam Wolze ins Spiel.
Eine großartige Neuerung fand zudem auf der Nordkurve statt: Aufgrund einer Initiative von VfL-Fan Fredy Engel gibt es zumindest hier nur noch Mehrwegbecher.

Beide Mannschaften mit bedächtigem Beginn …

Bei bedecktem Himmel und Temperaturen knapp unter 10 Grad hatte Nürnberg Anstoß. Der VfL spielte zunächst auf die Westkurve zu. Die vollbesetzte Nürnberger Fankurve machte kräftig Stimmung, doch die Ost hielt mit “lala-lalalalala nur Osnabrück” erfolgreich dagegen. Viel mehr gibt es aus der von beiden Teams entspannt geführten Anfangsphase nicht zu berichten.
Während der ersten Viertelstunde neutralisierten sich beide Mannschaften fast völlig. Der VfL hatte zwar mehr Ballbesitz, kam aber zu keinem einzigen Torabschluss.
In der 17. Minute nach Foul von Nürnberger (der heißt nun mal so) an Schmidt, dann ein erster leiser Weckruf durch den VfL. Van Aken wird angespielt und zieht aus 15 Metern in halbrechter Position ab, doch der Ball geht weit übers Tor.
Beide Teams starteten zwar hin und wieder Angriffe, die aber allesamt verpufften. Bis zu diesem Zeitpunkt gebührte beiden Abwehrreihen das größte Lob, aber auch beiden Fangruppen für die fortwährende Unterstützung.

Der VfL wurde etwas stärker

Dann die erste Torchance im Spiel: Ajdini setzt sich gekonnt auf dem rechten Flügel durch, lässt zwei, drei Nürnberger stehen, spielt Schmidt an, der trotz Bedrängnis aus elf Metern zum Abschluss kommt und das Tor nur knapp verfehlt.
Der VfL wurde nun stärker, wenngleich ein Nürnberger Freistoß durch Geis aus 25 Metern nur knapp links am Tor vorbeiging.
In der 37. Minute fast das 1:0 für den VfL. Der quirlige Ajdini flankt von rechts und der Ball wird von Girth irgendwie mit dem Oberkörper an den rechten Pfosten gesetzt.

Niklas Schmidt am Ball; Foto: imago images / foto2press
Niklas Schmidt am Ball; Foto: imago images / foto2press

Halbzeitfazit:

Nach einer durchwachsenen ersten Hälfte, die insbesondere spielerische Vorteile für den VfL sah, gingen die Mannschaften in die Kabine. Beide Abwehrreihen machten einen stabilen Eindruck, wobei der VfL insbesondere über die rechte Seite mit Ajdini immer wieder für etwas mehr Gefahr sorgte als auf der Gegenseite die Nürnberger, die bislang für eine Spitzenmannschaft einen recht biederen Eindruck hinterließen. Ein Führung für den VfL wäre durchaus möglich gewesen.

Tipp: Die Halbzeitgedanken, eine Melange aus Hintergrundinformation und Kommentar, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Sie fallen hin und wieder recht knapp, manchmal aber auch sehr ausführlich aus. Wem das Lesen der Halbzeitgedanken zu mühselig ist: Ganz einfach mit der “Als-wenn-ich-das-alles-nicht-schon-längst-gewusst-hätte”-Miene kopfschüttelnd weiter nach unten scrollen, dort geht es dann mit dem aktuellen Spielbericht weiter.

Halbzeitgedanken:

Der 1. FC Nürnberg wurde am 4. Mai 1900 gegründet, hat heute fast 24.000 Mitglieder und blickt auf eine bewegte 120-jährige Geschichte zurück.
Seine größten Erfolge feierte der Club in den 20er Jahren, währende der fünf von insgesamt neun deutschen Meistertitel geholt wurden.
Bis in die 60er Jahre hinein gehörte der Verein ohne Abstriche zu den großen Clubs des deutschen Fußballs, was sich mit dem erstmaligen Abstieg aus der Bundesliga 1969 schlagartig änderte. Es folgte ein jahrzehntelanges Tief, das 1996 mit dem Abstieg in die Drittklassigkeit gipfelte.
Erst im neuen Jahrtausend fand der Verein zumindest ein wenig zu alter Stärke zurück und gewann 2007 sogar den DFB-Pokal. Danach ging es bis heute zwischen erster und zweiter Bundesliga ständig auf und ab.

Nürnberg hat 520.000 Einwohner und seit 1945 stellt die SPD – bis auf eine vierjährige Unterbrechung von 1996 bis 2002 – den Oberbürgermeister. Nürnberg ist durchaus eine Reise wert, aber dazu in der nächsten Saison etwas mehr (denn beide Mannschaften bleiben laut heutigem Kaffeesatz in der zweiten Liga).

Nicht ganz abwegige Halbzeitgedanken:

Ja ja, das mit der letzten Fußballmeisterschaft der “Cluberer” ist schon lange her. Zum letzten Mal wurde der FCN 1968 unter Trainer Max Merkl deutscher Meister, in diesem kurzen Film überreicht der damalige Osnabrücker DFB-Präsident Herrmann Gösmann, der von 1934 bis 1951 bereits Präsident des VfL Osnabrück gewesen war, die Meisterschale.
Nun hatte Gösmann eine ähnlich zwiespältige Vergangenheit wie Nürnberg selbst, denn er war eher ein Früh-33er als ein Spät-68er, auch dazu findet man im Internet hinreichend Quellen. “Er war ein guter Jurist und auch sonst von mäßigem Verstande”, schrieb einst Ludwig Thoma 1901 vorausahnend im Simplicissimus.
Max Merkl, der gerne verbal austeilte, musste viel Wiener Schmäh über sich ergehen lassen, als er ein Jahr nach der deutschen Meisterschaft sang- und klanglos mit dem FCN aus der Bundesliga abstieg.

Geradezu unwiderlegbare und alles andere als abwegige Halbzeitgedanken mit bestechender Logik:

Der FB-User und VfL-Fan Lars Mosel stellte im Zusammenhang mit den Fanprotesten um das Spiel gegen Red Bull Leipzig kurz und trocken fest:

“Und da sag noch einer, unser Testspiel gegen den Brauseclub hätte keinen Sinn gehabt. Wir haben nur den perfekten Plan zur inneren Zerstörung von RB durch unsere Verantwortlichen nicht verstanden …

25.01.2020 Eintracht Frankfurt : RB Leipzig 2:0
01.02.2020 RB Leipzig : Borussia Mönchengladbach 2:2
04.02.2020 Eintracht Frankfurt : RB Leipzig 3:1″

Recht hat Lars, damit sollten nun auch wirklich die schärfsten Kritiker dieses Freiflugs nach Leipzig von der Sinnhaftigkeit dieser geheimen Mission überzeugt worden sein.

Bittere Nachgedanken:

Neben den Nürnberger Lebkuchen, Spielwaren, dem Christkindl-Markt und all den anderen schönen Dingen, die man heute mit Nürnberg in Verbindung bringt,  gab es auch die Nürnberger Prozesse, die nicht ohne Grund in der “Stadt der Reichsparteitage stattfanden, einem der wichtigsten Zentren nationalsozialistischer Propaganda, von Leni Riefenstahl immer wieder germanisch-martialisch gruselig in Szene gesetzt.
Die Nürnberger Rassegesetze wurden am 15. September 1935 vom Reichstag auf dem 7. Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg beschlossen. 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz sei an dieser Stelle an die berührende Initiative der jüdischen Kantoristin Avitall Garstetter erinnert.
Und angesichts der aktuellen Entwicklung in Deutschland auch daran, dass die NSDAP 1928 gerade einmal 2,6 Prozent der Wählerstimmen hatte, die AfD heute schon ein Vielfaches davon, egal in welchem Bundesland.

Beide Teams gingen unverändert in die zweite Hälfte

Weder Daniel Thioune noch Jens Keller sahen einen Grund für einen Wechsel. Der VfL spielte nun auf die geliebte Ostkurve zu und die Sonne ließ sich blicken. Die Nürnberger kamen besser ins Spiel, konnten die VfL-Abwehr aber zunächst kaum in Verlegenheit bringen. Die Fankurven gaben wieder alles.
Dann in der 60. Minute das 0:1 – Nürnberger flankt aus halblinker Position in den Strafraum und Behrens köpft den Ball trotz Bedrängnis im Fallen gekonnt ins Tor.

Hektische Schlussphase

In der 67. Minute wurde Neuzugang Ceesay eingewechselt und sorgte für ein, zwei schöne Aktionen. Der VfL geriet aber immer wieder in Bedrängnis und die Zuschauer spürten, dass nun noch mehr Unterstützung notwendig war.
Das Spiel selbst blieb aber auf beiden Seiten zerfahren, wobei Nürnberg nun gefestigter wirkte. In der 82. Minute dann eine Riesenchance für die Clubberer. Hack lässt drei VfLer im Strafraum stehen, zieht ab und Körber kann den Ball noch gerade klären, der nachstürmende Behrens verpasst den Ball. Der VfL macht nun hinten auf und der Nürnberger Hack verpasst gleich die nächste Großchance.
in der 90. Minute zeigte Ceesay mit einem Torschuss aus der Drehung heraus, dass mit ihm zu rechnen ist.

Fazit

Der VfL verliert sein viertes Heimspiel in einer von beiden Seiten mit viel Einsatz geführten, niveau-armen Partie, die keinen Sieger verdient gehabt hätte. Das sah Nürnbergs Trainer Keller auf der anschließenden PK naturbedingt etwas anders, wohingegen Daniel Thioune eher mit dem Autor dieses Berichts übereinstimmte.
Am kommenden Sonntag geht es nach Karlsruhe und den Freitag danach kommt Wismut Aue. Zwei Aufgaben, die durchaus lösbar zu sein scheinen, mehr aber auch nicht.

Zahlen, Daten & Fakten

Zuschauer: 15.313, davon 1.500 aus Nürnberg

Tore:
0:1 (60.) Behrens

VfL Osnabrück: Körber – Gugganig, van Aken, Wolze – Ajdini, Taffertshofer (86. Henning), Heyer, Schmidt (67. Ceesay) – Ouahim, Álvarez – Girth (86. Heider)
Trainer: Daniel Thioune

FCN: Mathenia – Sorg, Handwerker, Mavropanos, Markreiter – Geis, Nürnberger (86. Heise) – Hack, Behrens, Schleusener (76. Erras) – Zrelák (86. Dovedan)
Trainer: Jens Keller

Schiedsrichter: Tobias Reichel (Stuttgart)

Gelbe Karten:

(51.) Álvarez
(55.) Schmidt
(73.) Handwerker
(90.+4.) Wolze
(90.+4) Hack

Statistik:
Insgesamt trafen die beiden Clubs elfmal aufeinander, siebenmal in der 2. Bundesliga und viermal im Pokal.
Dabei gab es nur zwei Siege für den VfL und ein Unentschieden. Hier geht es wie immer zur kompletten Statistik von “fussballdaten.de“.

Tabellarisches

Der VfL verteidigt vor dem Spiel den zweiten Platz in der Kickerformtabelle (Note 3,20). Der 1. FC Nürnberg dümpelt dort auf Platz 17 (!) mit der Note 3,81.
Tatsächlich trat der VfL als Tabellenachter des 21. Spieltags gegen den Dreizehnten aus Nürnberg an, wobei beide Teams fünf Punkte voneinander trennten.
Nach dem heutigen Spiel steht der VfL immer noch auf dem 8. Platz und Nürnberg auf dem zwölften. Sollte Bochum morgen in Wiesbaden verlieren, betrüge der Abstand zu den gefährlichen Plätzen nach wie vor sieben Punkte und man könnte dem Spieltag doch noch etwas Positives abgewinnen.

Die aktuelle Tabelle:

Titelfoto: Konstantinos Mavropanos (1. FC Nürnberg / FCN ) und VfL-Neuzugang Assan Ceesay, imago images / Zink

Kalla Wefelhttps://kallawefel.info/
Kalla Wefel saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär. Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Mit "Der VfL in der Saison 2019/20" hat er ein neues Format entwickelt, das von nun an jährlich erscheinen soll. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Journalist und Autor sowie als Kabarettist und Musiker.

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