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Corona-Pandemie stellt Organisation „Wir starten gleich!“ aus Osnabrück vor Herausforderungen

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In diesem Jahr wird die gemeinnützige Organisation „Wir starten gleich!“ (WSG!) aus Osnabrück deutlich weniger Schultornister an Kinder aus finanzschwachen Familien in der Region verteilen können. Grund ist weniger die deutlich geringere Einnahme von Spendengeldern; die Corona-Einschränkungen wiegen schwerer.

Die Initiative „Wir starten gleich!“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schulanfängern aus finanzschwachen Familien anonym einen neuen Schulranzen zur Verfügung zu stellen. So soll verhindert werden, dass die Kinder direkt am ersten Schultag benachteiligt werden, weil sie nicht mit der passenden Ausrüstung versorgt wurden. Auch die psychologisch-emotionale Komponente spielt eine Rolle. Denn es droht die Gefahr der Hänselei durch Klassenkameraden, weil man eventuell „nur“ einen abgewetzten Rucksack oder einen Jutebeutel vorweisen kann.

Rekord im nächsten Jahr

Jahr für Jahr stiegen die Spendeneinnahmen und die Anzahl der verteilten Schulranzen signifikant. Seitdem sich die gemeinnützige Organisation im Februar 2011 rund um den Schauspieler Klaus J. Behrendt und den Osnabrücker Unternehmer Reinhard Höfelmeyer formiert hatte, machte die außergewöhnliche Idee zudem bundesweit Schule. Mittlerweile werden in zehn deutschen Großstädten (u.a. Berlin, Köln, Dortmund, Bielefeld) Spenden gesammelt, um den Erstklässlern mit finanzschwachen Eltern einen möglichst gleichwertigen Start in den Schulalltag zu ermöglichen. Im kommenden Jahr wird WSG! den 15.000 Schulranzen verteilt haben. Das entspricht einem Gegenwert von rund drei Millionen Euro.

Bedarf wurde nicht gemeldet

Allerdings hat sich bereits im vergangenen Jahr ein dunkler Schatten über das Engagement gelegt. Denn: „Leider haben nicht alle Kindergärten und Kitas in der Region ihren Bedarf gemeldet und somit sind wohl einige Kinder leer ausgegangen“, bedauert Marianne Fährmann, Leiterin der Evangelischen Lukas Kindertagesstätte in Osnabrück. Sie ist von Beginn an federführend für die Verteilung von Schulranzen in Osnabrück und der Region verantwortlich. Durch die Wirren rund um Corona seien einige Kolleginnen davon ausgegangen, dass eine Verteilaktion nicht stattfinden würde.

Hoffnung auf bessere Entwicklung 2021

„Da lagen die Prioritäten aber auch eher bei der Aufrechterhaltung des Betriebs. Vor allem bei der Gewährleistung des Notbetriebs, unter Berücksichtigung der fehlenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Risikogruppe nicht aktiv werden durften“, zeigt Fährmann Verständnis. Sie hoffe aber, dass die Kita-Leitungen in diesem Jahr den zusätzlichen Herausforderungen bei der Bedarfsermittlung – etwa durch den temporären Wegfall des intensiven persönlichen Vier-Augen-Gesprächs mit den betroffenen Eltern – „meistern und mir die Anzahl der benötigten Schulranzen melden werden.“ Diese erfolge aber wie gewohnt erst ab Februar/März eines jeden Jahres.

Deutlich höherer Bedarf erwartet

Fährmann geht aber jetzt schon davon aus, dass der Bedarf in diesem Jahr deutlich höher sein wird. „Schließlich sind durch die Corona-Krise bedingt leider noch mehr Familien in finanzielle Notlage geraten“, bedauert sie. Der erhöhte Bedarf sei „Fluch und Segen zugleich“, sagt Daniel Hopkins, Mitgründer und ehrenamtlicher Pressesprecher von WSG!. Ein Fluch sei, dass es in unserer Gesellschaft überhaupt einen derart hohen Bedarf an spendenfinanzierten Schulranzen gebe. Ein Segen, weil die Zahl der gespendeten Tornister gleichzeitig ein Indikator für die zunehmende Akzeptanz sowie Effizienz des ehrenamtlichen Engagements der gemeinnützigen Gesellschaft sei.

Weniger Events bedeuten weniger Spendengelder

Eine Akzeptanz und Effizienz, die die WSG!-Akteure nicht müde werden lassen, um für ihre gute Sache zu werben: „Wir sammeln bei Events, wie etwa unserem Charity Golfturnier, mehrere zehntausend Euro Spendengelder pro Jahr ein. Diese Events mussten wir wegen Corona im vergangenen Jahr leider absagen, entsprechend fehlen die Spendeneinnahmen“, erklärt Hopkins. Ein nicht unerheblicher Teil der Spenden stamme überdies von Unternehmen, die ihre Firmenveranstaltungen zugunsten von „Wir starten gleich!“ ausrichten. Die meisten Events haben bekanntlich nicht stattgefunden, also auch kein entsprechender Spendeneingang.

Organisation hat noch kleinen „Puffer“

Fabian Voges, ehrenamtlicher Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft, sieht die diesjährige Verteilaktion aber trotzdem nicht gefährdet. „WSG! hat noch einen kleinen Puffer aufgrund der nicht verteilten Schulranzen vom vergangenen Jahr, so dass wir die Finanzierung neuer Schulranzen trotz spürbarem Rückgang der Spendeneinnahmen stemmen können“, erklärt er. Er freue sich aber, dass der Spendenzufluss in den vergangenen Monaten nicht ganz abgerissen ist und es „trotzdem eine beachtliche Zahl an Privatpersonen und Unternehmen gibt, die unserer Initiative sehr verbunden sind und WSG! auch während der Krise mit einer Spende bedacht haben“. Und für 2022 hoffen er und seine ehrenamtlichen Mitstreiter, dass WSG! wieder ein erhöhtes Spendeneinkommen verzeichnet. Unter anderem auch bedingt durch eigene Events, die im Zuge des Jubiläumsjahres 2021 geplant sind.

Archivbild: Jahr für Jahr befüllen Marianne Fährmann und andere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer von „Wir starten gleich!“ mehrere Hundert neue Schulranzen mit Malkästen, Scheren, Heften & Co. – für Schulanfänger aus finanzschwachen Familien. / Foto: Wir starten gleich!

PM
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