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Corona-Ausbruch in Bramscher Altenheim – Pflegerin berichtet von skandalösen Zuständen

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Frau im Altenheim (Symbolbild)

Zwei alte Menschen tot, 42 Bewohner und sieben Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet, 16 im Krankenhaus. Eine Pflegerin berichtet, wie sie vergeblich versuchte Heimleitung, Behörden und sogar die Polizei zum Handeln zu bewegen.

Über das vergangene Wochenende kam es in einem Bramscher Altenheim zu einem Corona-Ausbruch. 42 Bewohner und sieben Mitarbeiter des Heims haben sich mit dem neuartigen Virus infiziert, zwei Erkrankte sind bereits verstorben. Die Krankenschwester Samina A*, die Freitag einen neuen Job als Pflegerin im Bramscher Altenheim antrat, wies die Behörden auf die Infektionen hin und erzählt im Gespräch mit unserer Redaktion von den skandalösen Zuständen die sie im Heim vorgefunden hat.

Samina A. begann erst am Freitag (3. April) im Bramscher Altenheim zu arbeiten. Die examinierte Krankenschwester kennt die übliche Hygienestandards, denn sie ist normalerweise in Krankenhäusern im Einsatz, wurde aber aufgrund der Corona-Krise durch eine Zeitarbeitsfirma an das Heim vermittelt. Schon an ihrem ersten Tag erlebte sie alarmierende Zustände: „Mir wurde gleich zu Beginn meiner Schicht gesagt, dass es Corona-Verdachtsfälle im Heim gebe. Ich musste daher einen Schutzkittel und eine Maske tragen. Die Maske sollte nach Möglichkeit die gesamte, etwa sieben Stunden dauernde Schicht halten, außerdem entsprach sie nur dem Standard FFP2. Ich arbeitete auf der Demenzstation, einige Zimmertüren waren mit Folie abgeklebt, man sagte mir, dass hier die Verdachtsfälle lägen. Die Verdachtsfälle liefen aber weiterhin auf der Station umher und hatten Kontakt mit dem Pflegepersonal und den Bewohnern.
Für Demenzkranke ist die Situation kaum begreiflich, sodass sie sich oft nicht an die Regeln halten.

Ich war alleine mit zwei weiteren, nicht speziell für die Situation ausgebildeten, Pflegern für die ganze Station mit 44 Bewohnern zuständig. Einer der Kollegen hatte wie ich seinen ersten Tag, der zweite Kollege sprach nur schlecht Deutsch. Während meiner Schicht bekamen wir den Anruf, dass sechs Bewohner und vier Pfleger positiv auf das Virus getestet wurden. Ich habe daraufhin bei allen 44 Bewohnern Fieber gemessen, 20 Senioren hatten eine erhöhte Temperatur.

Zunächst unternimmt niemand etwas gegen den Ausbruch

Der Pflegerin war sofort klar, dass die Lage im Heim dramatisch ist. Trotzdem wurde zunächst kaum etwas getan: „Ich habe sofort den Hausärztlichen Notdienst verständigt, die sagten mir jedoch, dass sie bei so vielen Fällen nicht helfen können, daraufhin habe ich mich an die Pflegedienstleitung und den Geschäftsführer gewandt. Die nahmen die Sache aber immer noch nicht ernst und versuchten mich mit Phrasen wie „das ist normal, der sieht immer so aus“ abzuwimmeln. Letztlich wurde nur ein Erkrankter ins Krankenhaus gebracht, eigentlich hätten alle in Behandlung gemusst. Am nächsten Tag habe ich die Polizei und das Gesundheitsamt verständigt. Die Polizei hat mich aber nicht ernst genommen und sehr rüde abgewiesen. Ich denke, dass das Gesundheitsamt erst durch mich von der Lage erfuhr. Am Samstag haben sie jedoch eingegriffen und strikte Schutzmaßnamen erlassen.“
Da sie nicht die Verantwortung für die Zustände auf der Station tragen wollte und um ihre eigene Gesundheit fürchtete, ist Samina A. seit Samstag nicht mehr zur Arbeit erschienen. Die Pflegerin hat für ihre Arbeitsverweigerung ihren Job bei der Zeitarbeitsfirma verloren, außerdem gilt sie jetzt selbst als Verdachtsfall und muss für zwei Wochen in Quarantäne.

Dramatischer Corona-Ausbruch im Altenheim

Die Reaktion der Behörden und der Verantwortlichen im Altenheim auf den beherzten Einsatz von Samina A. kam für viele Bewohner des Altenheims zu spät.
Bis Dienstagvormittag wurden 42 Bewohner und sieben Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet. Insgesamt 16 Personen müssen zur Zeit im Krankenhaus behandelt werden, zwei Infizierte waren am Dienstagmittag bereits verstorben. Die Gemeinde Bramsche wurde innerhalb eine Tages zu einem Hotspot im Landkreis Osnabrück.
Sowohl die zuständigen Behörden als auch der Konzern, zu dem das Bramscher Heim gehört, untersuchen zur Zeit die Zustände in der Pflegeeinrichtung.

Der Heimbetreiber meldete bis zuletzt keine größeren Auffälligkeiten

Am 1. April meldete das Altenheim lediglich einen Coronainfizierten beim Landkreis und gab an, als Folge umfangreiche Maßnahmen zur Isolierung und Hygiene innerhalb der betroffenen Wohngruppe umzusetzen. Während des weiteren Routine-Kontaktes per Telefon und E-Mail mit dem Landkreis gab die Heimleitung dann am Freitag an, keine größeren Auffälligkeiten und nur einige weitere erwartbare Krankheits- und Verdachtsfälle im Haus zu haben. Am Dienstag waren zwei Menschen bereits tot.

* der vollständige Name von Samina A. ist unserer Redaktion bekannt und wurde in Absprache mit ihr gekürzt

 


Lukas Brockfeld
Lukas Brockfeld ist seit dem Sommer 2019, erst als Praktikant und inzwischen als fester Mitarbeiter, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.

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