Start Aktuell Finale Talkshow von os1.tv: Lokalfernsehen ist mehr als nur "Bewegtbild"

Finale Talkshow von os1.tv:
Lokalfernsehen ist mehr als nur „Bewegtbild“

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Mit einer Adaption des Musical-Klassikers „Putting it together“ von Stephen Sondheim läßt os1.tv-Chefredakteuerin Claudia Puzik am Ende der Aufzeichnung zur letzten os1.tv Talkshow sechs Jahre Lokalfernsehen in Osnabrück Revue passieren.

Während der Song im Musical die Schwierigkeiten beschreibt, moderne Kunst zu erschaffen, konnten die Gäste und Zuschauer der Talkshow-Aufzeichnung mitverfolgen, wie von Seiten einer fiktiven Geschäftsführung (souverän dargeboten von den beiden Praktikanten Kevin Kopsicker und Lukas Winter) allerlei Bedenken vorgetragen werden und das Medium scheinbar auch nicht verstanden wird („Bewegtbild, das reicht doch“).
Der Refrain deutete es gleich zu Beginn an, und alle Zuschauer im zum Studio umfunktionierten Autohaus Rahenbrock wissen es: »You have to pay a price, girl«.
Ein Preis, den neben der Chefredakteurin Claudia Puzik nun auch zahlreiche Mitarbeiter zahlen müssen.
Damit ist auch klar: Dieser Song ist ein Abschiedslied; am 31.12. ist dann tatsächlich Schluss mit Lokalfernsehen Marke os1.tv. Dann wird es wohl tatsächlich nur noch „Bewegtbild“ geben, so wie es die NOZ-Mediengruppe ihren Mitarbeitern zum „Aus“ der Fernsehtochter bereits mitgeteilt hatte (HASEPOST berichtete).


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Claudia Puzik, Titus Dittmann und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert


Ein letztes großes Fernseh-Event aus Osnabrück

Doch bevor das Ende kommt, wird diese Talkshow – Erstausstrahlung bei os1.tv diesen Freitag (11.12.2015) – nochmal beweisen, was den Unterschied zwischen echtem Lokalfernsehen und „Bewegtbild“ ausmacht. Neben dem bekannten Fernsehgesicht Claudia Puzik präsentierte sich erstmals auch Ralf Geisenhanslücke vor der Kamera.


Ob es wirklich so einfach ist vom Schreibtisch eines Zeitungsjournalisten – Geisenhanslücke ist Chefredakteur der Lokalzeitung NOZ – vor die Kamera zu wechseln, wird wohl erst die geschnittene Sendefassung der Talkshow zeigen. Im direkten Vergleich zeigte sich jedoch: Sechs Jahre Fernseherfahrung (Puzik) sind durch nichts zu ersetzen, auch nicht durch noch so gut vorbereitete Notizkärtchen, von denen sich präzise vorbereitete Fragen ablesen lassen.

Fernseh-Neuling Geisenhanslücke und TV-Profi Puzik wechseln sich in der Befragung ihrer Gäste ab, ein „Zuwerfen von Bällen“ oder ein „Kreuzverhör“ bei kritischen Themen ist es jedoch nicht. Zu sehr haben die beiden ihre Claims abgesteckt, sichtlich bemüht respektvoll dem jeweils anderen seine Zeit mit dem jeweiligen Talkgast zu gönnen.
Unfreiwillig komisch: Scheinbar ist weder Gästen noch Moderatoren klar, ob sich nun geduzt wird oder das formelle „Sie“ gewählt werden soll. Klar im Vorteil ist hier Claudia Puzik, die gefühlt jeden der Gäste schon mal vor der Kamera hatte, und der man eine lockere Ansprache auch eher abnimmt.
So also kommt kein wirklicher Schwung in die Runde, auch wenn das dem grundsätzlichen Unterhaltungswert der Talkshow nicht abträglich ist. Was an Interaktion zwischen den beiden Talkmastern fehlt, das können die hervorragend ausgewählten Gäste inhaltlich wettmachen.

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Großes Finale der os1.tv Talkshow

Gäste aus der Region, die etwas zu erzählen haben

Titus Dittmann, der Münsteraner Skateboard-Papst, erzählt aus seinem Leben, so wie man es vielleicht schon mehrfach in anderen Talkshows von ihm gehört hat. Doch obwohl Dittmann über teils bereits bekannte Höhen und Tiefen seines Lebens berichtet, schafft er es einen Spannungsbogen zu halten, bei dem es Spaß macht ihm zu folgen.

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert ist selbstverständlich der natürliche Gesprächspartner für den NOZ-Chefredakteur Geisenhanslücke, der zu Beginn daran erinnert, dass die Amtszeit Grieserts inzwischen ins dritte Jahr geht. Das kritische Thema Neumarkt darf auch in der Talkshow nicht fehlen. Bevor die immer gleiche Frage aufkommt, „wann denn die Bagger am Neumarkt anrücken würden“, beantwortet Griesert diese souverän für sich selbst: „Die fangen in der Regel immer am frühen Morgen mit der Arbeit an“. Damit ist zumindest dieses Thema geklärt.

Kinderbuchautorin und Osnabrücker Ex-Bürgermeisterin Lioba Meier zeigt sich beruhigt, dass Griesert wohl „kein Engel“ ist, denn dann wäre er ihr suspekt. Bildhaft beschreibt sie ihre Kindheit im Iburger Schloss und zeigt sich auch als engagierte Streiterin für den Frieden – der frisch beschlossene Eintritt der Bundesrepublik in den Syrienkrieg bleibt so nicht ausgespart.

Die aus China stammende Sopranistin Lina Liu, die in der hierzulande kaum bekannten Millionenstadt Chengdu (Einwohnerzahl: 14 Millionen!) aufgewachsen ist, hält uns Osnabrückern den Spiegel vor, in einer kleinen und glücklichen Gemeinde zu wohnen. Sie selbst fliegt jährlich für ein paar Wochen auf Besuch in die alte Heimat, in der so vieles so anders ist. Ihre Eltern haben sie in Osnabrück noch nie auf der Bühne gesehen. Als Beweis ihres Könnens tritt sie vors Mikrofon und bringt Opernatmosphäre in die Halle, die eigentlich eine Reparaturwerkstatt ist.

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Über die Schulter geschaut: Ralf Geisenhanslücke und Rene Turrek (Vordergrund)
Der Graffitikünstler Rene Turrek beschreibt seinen Werdegang vom – in seinen Augen zu Recht, aber zu hoch – vorbestraften Sprayer, der inzwischen regelmässig auf internationalen Kunstmessen zu Hause ist und scheinbar am Fließband hochklassige Luxusautos für hochkarätige Hollywoodstars mit seinen Bildern versieht.

Dr. Klaus Lang ist als katholischer Theologe, IG-Metaller, ehemaliger Arbeitsdirektor der Georgsmarienhütte und jetziger Vorsitzender der Osnabrücker Bürgerstiftung, nur scheinbar ein Kontrapunkt zum Grafittisprayer Turrek. Lang kann auch anders: Seine Freizeit verbringt er auf dem Motorrad, und dass er dem Stahlwerksbaron und Multimillionär Jürgen Großmann nicht nur im Hinterzimmer des La Vie, wie er es beschreibt, die Stirn geboten hat, das nimmt man ihm ab.

Für die Bürgerstiftung von Klaus Lang gab es am Ende einen Scheck vom os1.tv Team
Für die Bürgerstiftung von Klaus Lang gab es am Ende einen Scheck vom os1.tv Team
Kurz gesagt: Eine sehenswerte Talkshow mit interessanten Gästen aus der Region.

Sendetermine: kommenden Freitag (11.12.) und Samstag (12.12.) ab 21 Uhr im Livestream und Kabelfernsehen bei os1.tv.
Und solange die Website von os1.tv noch verfügbar ist, dort in der Mediathek rund um die Uhr.

Für die dritte os1.tv Talkshow, die es in dieser Form nicht mehr geben wird, hätte man sich eine Rückkehr von Marcel Trocoli-Castro auf die Bühne gewünscht, etwas mehr Interaktion und weniger Allein-Redezeit für die Gäste.

Im Hintergrund dieser Produktion agierte Julia Schlöpker, deren Präsenz sich für die Gäste der Aufzeichnung auf Regieanweisungen aus dem Off beschränkte.

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Im Publikum: Metallkünstler Norbert „Jonathan“ Henze
Auch dabei im Publikum: Zahlreiche Lokalprominenz und Wegbegleiter von os1.tv, unter anderem: Ex-OB-Kandidat, Kabarettist und Buchautor („Mein Vau Eff-Ell“) Kalla Wefel, ebenfalls VfL-Buchautor („Fußlümmel“) Heiko Schulze, Koch und Kochbuchautor Detlev Rudolf, Society-Lady Ulla Weller, Güterbahnhof-Kulturschaffender Carsten Gronwald, Oberbürgermeister-Gattin Elisabeth Griesert, Metallkünstler Norbert „Jonathan“ Henze, Charity-Läufer John McGurk , Wilfried Witte vom Medium Terzett, Polizeipräsidentin a.D Heike Fischer, Landgerichtspräsident Antonius Fahnemann und Theaterintendant Dr. Ralf Waldschmidt.

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Wolfgang Niemeyer und Sven Stumpe von Niemeyer & Konsorten
Musikalisch wurde der Abend begleitet vom Mann am Klavier Wladimir Krasmann (Stadttheater), sowie der Band Therapiezentrum (grandios!) und Wolfgang NiemeyerSven Stumpe und Matthias Wilhelm von Niemeyer & Konsorten (mutig!).
Technische Unterstützung gab es von der bald ehemaligen Senderschwester ev1.tv aus Lingen.

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Selbstbild/Fremdbild oder Zukunft des Journalismus in Osnabrück? Ein in die Talkshow verirrter Horst Schlemmer und NOZ Chefredakteur Ralf Geisenhanslücke im Gespräch nach der Aufzeichnung
 

Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2011 unter dem Titel "I-love-OS", die Ursprungsidee reicht aber auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11


 

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