Hanf gehört historisch betrachtet zu den ältesten Nutzpflanzen der Welt. Bereits vor mehr als 12.000 Jahren bauten die Menschen die facettenreiche Pflanze in Getreideform an. Die Menschen verwendeten die Samen als sogenanntes „Superfood“ zum Essen, während die Fasern dazu dienten, Bekleidung herzustellen. Im Laufe der Jahrhunderte litt das Image der traditionellen Heilpflanze, da sie mehr und mehr mit Rauschmitteln verbunden wurde. Heutzutage gewinnt die wertvolle Kulturpflanze erneut an Bedeutung, denn ihre hervorragende medizinische Wirkung ist inzwischen unbestritten. Nicht zuletzt aus diesem Grund importiert Deutschland aktuell eine große Menge medizinisches Cannabis aus den Niederlanden.

Worin sich Hanf, Marihuana und Cannabis unterscheiden

Dem deutschen Hanfverband zufolge bezeichnen Cannabis und Hanf dieselbe Nutzpflanze, wobei Cannabis der lateinische Name der Pflanze ist. Im weiteren Sinne umfassen die beiden Begriffe außerdem alle THC-haltigen Produkte, die sich als Erzeugnisse aus der Pflanze gewinnen lassen. Marihuana hingegen, das umgangssprachlich „Gras“ heißt, bezeichnet die getrockneten Blüten der weiblichen Hanfpflanze. Diese Blüten haben sogenannte Drüsenhaare, auf denen das Harz der Pflanze sitzt. Es ist reich an CBD, THC und anderen Cannabinoiden. Üblicherweise sieht das Marihuana, abhängig von seiner Herkunft und Qualität, grünlich bis bräunlich oder weiß bis leicht lila aus.

Diese Inhaltsstoffe machen das CBD so wertvoll

Das aus dem sogenannten Cannabidiol CBD gewonnene Öl ist voller wertvoller Inhaltsstoffe, wie Mineralien, Vitaminen und Ballaststoffen. Beispielsweise enthält das Öl eine große Menge an ungesättigten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, die den Zellen helfen, ihre Membrane zu schützen und sich zu erneuern. Das Chlorophyll hingegen zeigt einen positiven Effekt auf die Zellatmung, während die Carotinoide das Immunsystem unterstützen.

CBD seit März 2017 als medizinischer Schmerzstiller zugelassen

Einige Nutzsorten der wertvollen Kulturpflanze weisen keinerlei berauschende Wirkstoffe auf. Aus diesen Sorten gewinnt die Medizin CBD, das inzwischen als entzündungshemmender, schmerzstillender und krampflösender Wirkstoff bekannt ist. Für das vielseitige CBD Öl gibt es mittlerweile viele verschiedene Anwendungsgebiete. Es hilft dabei, eine Reihe von Erkrankungen gezielt zu bekämpfen – darunter Asthma, Schlafstörungen, stressbedingte Symptome und typische Krebs-Symptome wie starke Schmerzen. Eine entsprechende Gesetzesänderung, die es Patienten erlaubt, Cannabis aus medizinischen Gründen einzunehmen, trat am 10. März 2017 in Deutschland in Kraft. Seitdem ist es den Ärzten gestattet, Cannabisblüten oder -extrakte als Betäubungsmittel zu verschreiben. Anlässlich dieser Gesetzesänderung richtete das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine Agentur ein, die den gezielten, medizinisch gerichteten Anbau von Cannabis im deutschen Raum steuert und kontrolliert. Auf diese Weise erhoffen sich die Forscher weitere medizinische Erkenntnisse, damit sie zukünftig das Cannabis noch wirkungsvoller einsetzen können.

Gewürze und Samen auf Holzlöffel
Bereits vor vielen Jahrhunderten waren die Hanfsamen als Superfood bekannt.


Niederlande liefert doppelt so viel Hanf nach Deutschland

Das aktuelle deutsche Betäubungsmittelgesetz, das den Anbau von Hanf verbietet, besteht seit dem Jahre 1982. Zwar wurde es im Laufe der Jahre etwas gelockert, sofern es um den Anbau und Verkauf von medizinischen Hanfprodukten geht. Dennoch entdeckt die Polizei regelmäßig illegal angebaute Hanfplantagen in privaten oder gewerblichen Räumen. Weiterhin nehmen die Beamten in regelmäßigen Abständen Verdächtige fest, welche die Hanfpflanzen illegal über die Grenze schmuggeln möchten. Anders verhält es sich bei den legal veranlassten Importen, die niemand geringeres als CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn beauftragte. Er ersuchte die Niederlande mit der Bitte, künftig jährlich bis zu 1,5 Tonnen Cannabis nach Deutschland zu liefern, um den medizinischen Bedarf zu decken. Er reagierte damit auf die konstant hohe Nachfrage, die es seit der Gesetztesänderung gibt. Seit letztem Jahr stellten mehr als 20.000 Patienten einen Antrag auf medizinisches Cannabis, von denen mehr als 60 Prozent bewilligt wurden. Immer mehr Patienten beanspruchen die wirkungsvollen Blüten der Heilpflanze, wenn sich andere, herkömmliche Therapien als wirkungslos erweisen. Um die Kosten brauchen sich die Patienten meist nicht zu sorgen, da die Krankenkassen, sofern sie dem Antrag stattgeben, die Kosten für die Behandlung übernehmen.

Eigener Anbau in Deutschland erst ab 2020 möglich

Die Politiker sahen ursprünglich vor, spätestens ab 2019 eigenes medizinisches Cannabis in Deutschland anzubauen. Es entwickelte sich ein Fehler im Verfahren, weshalb die entsprechende Ausschreibung wiederholt werden musste. Aus diesem Grund wird es erst ab dem Jahre 2020 möglich sein, das Cannabis in Deutschland zu ernten. Dennoch zeigt sich die Politik nicht untätig, was die Nachfrage nach Cannabis angeht. In der aktuellen Legislaturperiode gingen einige Anfragen im Bundestag ein, die sich mit dem Thema Cannabis beschäftigen. Zu den wichtigsten Anträgen aus den Debatten gehören:

Antrag für ein Cannabiskontrollgesetz

Diesen Entwurf legten die Politiker der Partei Bündnis90 / Die Grünen dem Bundestag vor. Sie schlüsseln darin auf, dass rund 3,1 Millionen volljährige Bürger deutschlandweit illegal Cannabis konsumieren. Infolgedessen bewerten sie das derzeitige Cannabisverbot als problematisch, da es die Jugendlichen nicht davon abhielte, Cannabis zu konsumieren. Die Politiker der Partei schlagen aufgrund dessen vor, Cannabis aus dem bisherigen Betäubungsmittelgesetz zu streichen und in ein kontrolliertes, legales Gesetz einzuführen. Sie begründen daraufhin die Vorteile, die mit solch einem Gesetz einhergehen:

  • Minderjährige ließen sich durch einen legalen Markt besser schützen.
  • Illegaler Konsum ließe sich auf diese Weise besser überwachen.
  • Die Risiken von Cannabis wären begrenz- und reduzierbar.
  • Fachgeschäfte dürften kein Cannabis mehr an Minderjährige verkaufen.
  • Die Fachgeschäfte befänden sich in einem festgelegten standörtlichen Abstand zu schulischen Einrichtungen.

Antrag zum progressiven Umgang mit Cannabis von der Partei DIE LINKE

Die Partei DIE LINKE schlägt in einem Antrag einen progressiven Umgang mit Cannabis vor. Die Politiker fordern die Bundesregierung zum Umdenken auf. Sie wollen die strafrechtliche Verfolgung von volljährigen Bürgern, die Cannabis konsumieren, abschaffen, sofern es sich um eine begrenzte Menge (bis zu drei Cannabispflanzen oder maximal 15 Gramm getrocknete Teile der Pflanze) handelt. Weiterhin fordern sie, die freiwerdenden finanziellen Ressourcen dafür einzusetzen, um die Bevölkerung gezielter und offensiver zum Thema Cannabis aufzuklären und zu beraten.

Antrag der Partei FDP zu Cannabis-Modellprojekten

Die FDP um Parteichef Christian Lindner fordert die Bundesregierung auf, wissenschaftliche Grundlagen und Modellprojekte zu verwirklichen, welche den Konsum von Cannabis kontrollieren und verbessern sollen. Auf diese Weise soll es möglich sein, Cannabis kontrolliert an Volljährige auszugeben und die Risikofaktoren der Nutzpflanze eindeutiger zu bestimmen. Die Partei hebt hierbei den positiven Nutzen von Cannabis als Genussmittel hervor, das in kontrollierten Mengen sogar zum gesundheitlichen Schutz der Bevölkerung beitragen könnte. Auch die FDP spricht sich strikt gegen die Abgabe von Cannabis an Minderjährige aus.