# Buntes Operettenglück: Warum „Der Vetter aus Dingsda“ am Theater Osnabrück einfach Spaß macht Datum: 21.01.2026 11:50 Kategorie: Aktuell URL: https://www.hasepost.de/buntes-operettenglueck-warum-der-vetter-aus-dingsda-am-theater-osnabrueck-einfach-spass-macht-678695/ --- Operette ohne ironische Brechung, ohne Regiezwinkern, ohne zwanghafte Aktualisierung – das ist heute fast schon ein Wagnis. Am Theater Osnabrück wird dieses Wagnis belohnt: „Der Vetter aus Dingsda“ zeigt sichtbare Lust am Genre und entscheidet sich bewusst dafür, mit dem Stück zu arbeiten, nicht gegen es. Heraus kommt ein Abend, der auf melodischen Witz, klare Erzählung und musikalischen Schwung setzt – und genau darin seine Stärke findet. ## Mit dem Stück statt gegen die Zeit Regisseur Christian Thausing erzählt die Operette mit der Musik von Eduard Künneke klassisch und schnörkellos. Die Handlung wird stringent geführt, Pointen sitzen, Szenen gehen fließend ineinander über. Thausing verzichtet auf forcierte Aktualisierungen oder tiefenpsychologische Überformungen und stellt die Unterhaltung klar in den Vordergrund. Gleichzeitig blendet die Inszenierung problematische Zeitbilder nicht aus, sondern lässt sie sichtbar stehen. Das ist kein bequemes, aber ein ehrliches Vorgehen. Das Bühnen- und Kostümbild wird von bunten Farben dominiert. / Foto: Matthias Horn Okarina Peter und Timo Dentler schaffen ein opulentes, farbenreiches Operettenambiente. Ein halbrunder Saal mit variablen Blickachsen dominiert die Bühne, zentraler Blickfang ist ein großer Rundspiegel, der Perspektiven verdoppelt und das Spiel mit Illusion und Sehnsucht sichtbar macht. Die fantasievollen, knallbunten Kostüme zeichnen die Figuren klar und tragen viel zur Spielfreude des Abends bei. ### Musik als Motor des Abends Seong-Bin Oh leitet das Osnabrücker Symphonieorchester mit sicherem Gespür für Stil und Tempo. Die Musik bleibt lebendig, die Übergänge zwischen Dialog und Gesang wirken organisch, bekannte Nummern sind fein gearbeitet und behalten dennoch ihren operettentypischen Drive. Das Orchester ist nicht bloße Begleitung, sondern aktiver Mitgestalter. Die Choreografie von Seân Stephens ist schwungvoll und eng an der Musik orientiert. Sie greift musikalische Impulse auf, belebt das Spiel des Ensembles und sorgt für Bewegung, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Der Vetter reist mit einer Rakete – als Sinnbild für das ferne Dingsda – an. / Foto: Matthias Horn ### Ein Abend, der weiß, was er will Auch sängerisch überzeugt der Abend auf ganzer Linie. Susanna Edelmann gestaltet die Julia stimmlich kraftvoll, zugleich entschlossen und träumerisch. Marlene Metzger gibt dem Hannchen ein frisches, klar profiliertes Gesicht. Jan Friedrich Eggers trifft als Josef den Ton zwischen überzeichneter Machtdemonstration und pointierter Unsympathie – beim Publikum durchaus wirkungsvoll. Nadia Steinhardt gestaltet die Wilhelmine mit feiner Eleganz und klarer Linienführung, während Daniel Preis als Egon durch prägnante Akzentsetzungen auffällt. Florian Wugk verleiht dem August eine deutlich komödiantische Prägung, Dominic Barberi stattet den Roderich mit einer souverän dosierten Selbstsicherheit aus. Ergänzt wird das Ensemble durch die Diener Karl und Hans, die Mark Hamman und Silvio Heil pointiert geben. „Der Vetter aus Dingsda“ in Osnabrück erhebt keinen Anspruch auf Provokation oder Neuerfindung. Stattdessen liefert das städtische Theater einen Operettenabend, der Lust macht, sich einfach einmal wieder tragen zu lassen. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück