Noch zehn Spiele sind es bis zum Saisonende und was Ende November und Anfang Dezember noch aussah, wie ein recht lockerer Sprint des BVB ist heute ein Zweikampf. In der Tat, die letzten Wochen existierten für die Schwarz-Gelben wohl nur auf dem Kalender, denn auf dem Spielfeld kam sowohl national noch international wenig bei rum. Und die Konkurrenz? Wo die Gladbacher Fohlen sich vertreten haben, machen die Bayern aus München das, was sie können: Aufholen. Es herrscht Punktgleichheit und somit aktuell noch das, was man sich von der Bundesliga schon lange wünschte: Spannung. Dieser Artikel schaut in die Glaskugel und erklärt, wer die Schale eher holen könnte.

Die Formkurve

Sowohl der FC Bayern als auch der BVB sind, beziehungsweise waren, aktuell noch Europa aktiv. Und genau dies könnte Dortmund den Hals gebrochen haben, denn mit dem Weiterkommen in der Champions League, stiegen die Probleme innerhalb der Liga. Generell gilt hier:

  • Fokus auf Liga – so abgedroschen dieses Statement auch ist, so können die Dortmunder seit Dienstag sicher sein und sich vollends auf die Meisterschaft konzentrieren. Nebenwettbewerbe kommen nicht mehr dazwischen, denn auch das Aus im DFB-Pokal ist längst geschehen.
  • Harte Partie – anders sieht es noch bei den Bayern aus. Sie müssen nächste Woche noch einmal in der Champions League ran. Wie es danach weitergeht, kann nur das Ergebnis gegen Liverpool belegen. Aktuell spielen die Bayern zudem im DFB-Pokal. Allerdings: Doppel- und Dreifachbelastungen sind für die Spieler aus München schon Routine, sodass sich Dortmund nur einen geringen Vorteil erhoffen kann.
  • Erst-recht– dieses Motto darf Dortmund auffahren. »Jetzt erst recht« sollte die Devise heißen, denn sie sind international nicht mit einer Blamage ausgestiegen. Die Fans stehen hinter dem Club, berichtet derwesten.de, das haben sie nach der Niederlage gegen Tottenham bewiesen. Wichtig ist jetzt, sich schnell wieder aufzurappeln und in der Liga endlich wieder das Tor zu treffen.

Aber auch die Lage in München ist aktuell angespannt und kann sich auf zweierlei Arten auswirken. Das kommende Champions-League-Spiel ist ein Wegweiser, denn gelingt der Sieg und das Weiterkommen nicht, ist für Bayern diese Saison schon mehr oder weniger ein Fiasko. Auf der anderen Seite darf abgewartet werden, wie das von Löw aussortierte Trio Müller, Boateng und Hummels reagieren wird. Zeigen sie eine Trotzreaktion und hauen jetzt erst richtig rein oder stampfen sie doch eher trotzköpfig auf und ziehen das Team mit runter?

Das Restprogramm

Allem anderen vorweg: Die Bayern treffen noch auf den BVB. Insgesamt darf das Restprogramm ohnehin nicht nach den Teams an sich bewertet werden, denn schon zu häufig waren die vermeintlich leichten Gegner genau diejenigen, die einen Club mit einer hohen Niederlage nach Hause schickten. Der BVB wird dies vermutlich problemlos unterschreiben, denn das Stichwort »Augsburg« zementiert diese Aussage – und den einst sicher geglaubten Abstand auf die Bayern. Aber im Überblick:

  • Dortmund– direkt jetzt am Spieltag geht es mit einem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart los. Tabellenmäßig ist Stuttgart im Keller, nur sind diese Abstiegskandidaten gerne die, die noch auf dem letzten Zentimeter reingrätschen. Weiter geht es bei Hertha, gegen Wolfsburg, bis Anfang April die Bayern zum Gastspiel einladen. Die restlichen Spiele werden von Mainz, Freiburg, Schalke, Bremen, Düsseldorf und zuletzt dem Gastspiel auf dem Bökelberg markiert. Das Problem: Der BVB spielt gegen diverse Abstiegskandidaten, muss sich aber auch noch gegen Teams behaupten, die europäische Ziele haben.
  • Bayern– dieses Wochenende geht es gegen Wolfsburg, bevor nächste Woche Mittwoch das Riesenspiel gegen Liverpool ansteht. Weiter geht es mit einem Heimspiel gegen Mainz und einem Gastauftritt in Freiburg, bevor die Heidenheimer im Pokal nach München kommen. Nach dem Spitzenspiel gegen Dortmund zu Hause geht es mit Düsseldorf, Bremen, Nürnberg, Hannover, Leipzig und zuletzt Frankfurt zum Saisonende. Das Problem: Bayern hat gemischte Gegner, darunter mit Hannover einen Club, der nichts mehr zu verlieren hat. Gleichzeitig warten aber auch Leipzig und, in München, Frankfurt auf die Bayern. Beide Teams wollen sich wieder einen internationalen Rang erkämpfen.

Wirklich interessant sind die Ausgänge der nächsten drei Ligaspiele. Wer hier die Punkte holt, wird vermutlich Meister. Die Quoten stehen für beide Teams an diesem Spieltag nicht schlecht, so dass das direkte Duell eine der Entscheidungen darstellen dürfte.

Die Prognose

Von der reinen Tabellensituation her ist die Meisterschaft noch völlig offen. Der BVB hat aufgrund der besseren Tordifferenz leicht die Nase vorn, doch sind vier Tore Vorsprung kein Grund, sich auf nicht vorhandenen Lorbeeren auszuruhen. Zumal der Gegner Bayern München heißt und genau die sind es gewohnt, mit Druck umzugehen. Nach einem miserablen Saisonstart haben sie sich locker zurück ins Rennen gekämpft, obgleich der BVB hier den größten Anteil dran hat. Ohne die Niederlagen- und Unentschiedenserie seit Dezember hätten die Bayern auch bei ausschließlich siegreichen Spielen keine Chance gehabt, mit Dortmund gleichzuziehen. Wie sieht es also aus?

  • Dortmund– die einzige Chance besteht, wenn sie sich jetzt wieder zusammenraufen und endlich mit dem Siegen beginnen. Niederlagen, gar Punkteteilungen sind schlichtweg verboten. In dem Augenblick, in dem Bayern mit mehr als einem Punkt an den Dortmundern vorbeizieht, wird die Meisterschaft verloren sein.
  • Bayern– auch sie dürfen sich keine Niederlage erlauben, denn dann wird der Abstand auf Dortmund gleich steigen. Aktuell gibt es noch ein kleines Handicap, denn das Spiel gegen Liverpool nächste Woche wird schlauchen. Zudem wartet im März ein DFB-Pokalspiel auf die Bayern, während dessen sich der BVB ausruhen kann.
Spannung bis zum Schluss - das wünschen sich die meisten Fußball-Fans in Deutschland.
Spannung bis zum Schluss – das wünschen sich die meisten Fußball-Fans in Deutschland.

Fazit – der März der Entscheidung

Der März wird über die Deutsche Meisterschaft entscheiden, so viel ist wahrscheinlich. Für die Fans heißt das Spannung, denn strauchelt einer, kann sich das Blatt direkt wenden. Dabei ist das direkte Spitzentreffen zwischen den Topteams recht uninteressant, denn die wichtigen Punkte werden vorher und nachher geholt. Auf der absoluten Zielgraden hingegen hat es der BVB etwas leichter, da an Spieltag 33 und 34 wenigstens nicht Leipzig und Frankfurt auf sie warten. Trotz aller möglichen Spannung kann die Meisterschaft aber auch schon nächste Woche gelaufen sein. Gewinnt der FCB gegen Wolfsburg und Mainz und lässt Dortmund gegen Stuttgart und Hertha Punkte, dürfen die DFB-Oberen schon die so gut bekannten typischen Buchstaben in die Meisterschale einritzen.