# Breite Kritik an Merz’ Vorstoß zur Abschaffung des Arbeitszeitgesetzes Datum: 15.01.2026 16:21 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://www.hasepost.de/breite-kritik-an-merz-vorstoss-zur-abschaffung-des-arbeitszeitgesetzes-676667/ --- Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu einer möglichen Abschaffung des Arbeitszeitgesetzes haben scharfe Kritik aus Opposition und Zustimmung aus der Unionsfraktion ausgelöst. Vertreter von Grünen, Linken und AfD warnen vor einem Rückfall in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, während die Union vor allem Bürokratieabbau und mehr Flexibilität in den Vordergrund stellt. ## Kritik von Grünen, Linken und AfD Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Andreas Audretsch, warf dem Bundeskanzler laut „Welt“ (Freitagausgabe) einen rückwärtsgewandten Kurs vor. „Friedrich Merz will offensichtlich zurück ins 19. Jahrhundert, als Menschen schutzlos ausgeliefert waren“, sagte Audretsch der „Welt“. Weiter erklärte er: „Schon damals erkannten Arbeitgeber, dass Menschen produktiver sind, wenn sie Pausen machen und gesund sind. Diese Erkenntnis fehlt Friedrich Merz offenbar bis heute.“ Audretsch forderte laut „Welt“ zugleich andere politische Schwerpunkte von der Bundesregierung. Es werde Zeit, „dass die Bundesregierung die Krankenkassenbeiträge in den Griff kriegt, die Stromsteuer für alle reduziert und eine zukunftsgerichtete Industriepolitik mache“. „Das würde der Wirtschaft helfen, nicht ein Zurück ins Zeitalter der Ausbeutung“, so Audretsch. Auch aus der Linksfraktion kam deutliche Kritik. Anne Zerr, Sprecherin für Arbeits- und Arbeitszeitpolitik der Linken-Fraktion, warnte vor den Folgen einer Abschaffung des Arbeitszeitgesetzes. „Wenn Friedrich Merz sagt, er würde gerne das Arbeitszeitgesetz abschaffen, hieße das keine freien Sonn- und Feiertage mehr, unbegrenzt lange Arbeitstage und keine verpflichtenden Ruhezeiten oder Pausen – sprich: Arbeit rund um die Uhr. Wer all das am liebsten abschaffen würde, verhöhnt und gefährdet arbeitende Menschen“, so Zerr. Zerr warf dem Bundeskanzler zudem vor, Rechtsverstöße kleinzureden. „Wenn Merz sich vor Wirtschaftsvertreter stellt und behauptet, dass sich sowieso niemand an das Gesetz halte, bagatellisiert er systematischen Gesetzesbruch zulasten von Beschäftigten. Er greift den Minimalkonsens für eine menschenwürdige Arbeitswelt an und stellt zentrale gesellschaftliche Errungenschaften infrage“, sagte die Linken-Politikerin. ### Warnungen vor „Wildwest-Zuständen“ Aus der AfD-Fraktion kam ebenfalls Widerspruch zu den Äußerungen von Merz. René Springer, Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales, stellte laut Agenturmeldung den Zusammenhang zwischen Arbeitszeitgesetz und wirtschaftlicher Lage infrage. Er sagte, dass der schlechte Zustand der Wirtschaft nicht am Arbeitszeitgesetz hänge. „Eine Abschaffung des Arbeitszeitgesetzes würde für viele Arbeitnehmer zu rücksichtslosen Wildwest-Zuständen führen, in denen Ausbeutung und Überlastung die Regel würden“, sagte der AfD-Politiker. Springer forderte stattdessen eine andere arbeitsmarktpolitische Schwerpunktsetzung. „Statt den Druck auf die Arbeitnehmer zu erhöhen, sollten wir uns darauf konzentrieren, diejenigen, die sich im Bürgergeld eingerichtet haben, in Arbeit zu bringen. Zusätzlich müssen wir die ausreisepflichtigen Ausländer endlich abschieben – das war ja auch das Wahlkampfversprechen von Merz“, sagte Springer. ### Rückendeckung aus der Unionsfraktion Unterstützung für den CDU-Chef kam aus der eigenen Bundestagsfraktion. Der arbeitsmarkt- und sozialpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Marc Biadacz, betonte laut Agenturmeldung die Bedeutung des Bürokratieabbaus. „Es ging dem Bundeskanzler um ein Beispiel für ein Gesetz, das besonders viel Bürokratie verursacht und wo die Tarifparteien unter sich bessere Regelungen finden könnten“, so Biadacz. Mit Blick auf die weitere Gesetzgebung kündigte Biadacz zügiges Handeln an. „Deshalb werden wir die Reform der Arbeitszeit, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, jetzt auch zügig angehen und für mehr Flexibilität und weniger Bürokratie sorgen. Die Möglichkeit einer wöchentlichen statt einer täglichen Höchstarbeitszeit zahlt auf dieses Ziel ein“, sagte der Unionspolitiker. Quelle: Mit Material der dts Nachrichtenagentur. ✨ durch KI bearbeitet, 15. Januar 2026 16:21. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück