Fünf Tage, fünf Kinos, 125 Filme der unterschiedlichsten Genres: Das 33. Unabhängige FilmFest Osnabrück präsentiert internationale Filme mit Nicole Kidman, Elle Fanning, Chilly Gonzales, Amrita Acharia und fragt nach dem Verbleib des Bossa-Nova-Begründers João Gilberto. Das 33. Unabhängige FilmFest Osnabrück findet statt vom 17. bis 21. Oktober 2018.

Ab dem 17. Oktober grassiert im niedersächsischen Osnabrück wieder das Festivalfieber, wenn die schwedische Komödie „Amateurs“ um 19:30 Uhr das Programm des 33. Unabhängigen FilmFests eröffnet. Die Tickets sind günstig und ermöglichen Reisen bis nach Asien, Afrika und in verschiedene Gegenden Europas. „Focus on Europe“ ist eine der Sektionen des Unabhängigen FilmFest Osnabrück überschrieben, das in diesem Jahr sein 33. Bestehen feiert. Spielstellen sind die Osnabrücker Kinos Cinema Arthouse, Filmpassage, Filmtheater Hasetor, Haus der Jugend, Lagerhalle. Die Filmaufführungen werden von einem umfassenden Rahmenprogramm wie einer Retrospektive zum Thema „Krieg und Protest“ begleitet.

Vielseitiges lateinamerikanisches Kino

Einen Schwerpunkt bildet traditionell das facettenreiche lateinamerikanische Kino. In der Festivalkategorie „Vistas Latinas“ besteht Ansteckungsgefahr – zum Beispiel könnte man sich mit dem „Virus Tropical“ infizieren. Vorlage für den gleichnamigen preisgekrönten Animationsfilm waren kesse autobiografische Comic Strips von Powerpaola alias Paola Silguero.

Schillernde Musikerpersönlichkeiten im Mittelpunkt

Auch die brasilianische Musikrichtung Bossa Nova kann unter die Haut gehen. Der französisch-schweizerische Filmemacher Georges Gachot ist regelrecht süchtig, hat schon viele Stars dieser Musikrichtung porträtiert, nur einen nicht: den geheimnisumwobenen Bossa-Pionier João Gilberto, der den Song „The Girl from Ipanema“ zum Welthit machte, sich aber schon vor Jahren aus der Öffentlichkeit verabschiedet hat. „Wo bist du, João Gilberto?“, fragt sich Gachot und erzählt über dessen Biografie zugleich die Geschichte der Bossa Nova. Er trifft prominente Interpreten wie Miúcha, Roberto Menescal, Marcos Valle, João Donato, der auch die Musik zu diesem Dokumentarfilm beisteuerte. Marcos Valle das Wesen der Bossa Nova folgendermaßen: „Die Idee war: Die Musik soll dein Leben und dein Land ein bisschen besser machen, ohne dumm zu sein.“ Hiphop, Electro, Klassik – der Universalkünstler Chilly Gonzales kennt keine Berührungsängste. Jeder Auftritt ist eine Inszenierung, ob vor der Bundespressekonferenz in Berlin, im ehrwürdigen Konzertsaal oder als Interviewpartner der Schriftstellerin Sibylle Berg in Philipp Jedickes Musikbiografie „Shut Up and Play the Piano“. Zum schillernden Protagonisten Chilly Gonzales gesellen sich unter anderem Thomas Bangalter von Daft Punk, Peaches, Feist, Jarvis Cocker.

Chilly Gonzales im Film „Shut Up and Play the Piano“.
Chilly Gonzales im Film „Shut Up and Play the Piano“.

„FilmFest Extrem“ mit Genrefilmen aus aller Welt

Ganz anders tönt es in der Sektion „FilmFest Extrem“ mit Genrefilmen aus aller Welt. Hier begegnen wir unter anderem Nicole Kidman, Elle Fanning und dem britischen Schauspiel-Star Ruth Wilson, Preisträgerin eines Golden Globes. Alle drei zählen zum Ensemble der wahnwitzigen Komödie „How to Talk to Girls at Parties“. Neil Gaiman („American Gods“) als Autor der Vorlage und Regisseur John Cameron Mitchell blenden zurück ins London der 70er-Jahre. Die Punk-Bewegung explodiert, drei junge Burschen werfen sich ins Geschehen und hoffen darauf, bei einem der frechen Punk-Mädchen landen zu können. Sie geraten in eine obskure Wohngemeinschaft mit irritierenden Ritualen. Großbritannien ist mit „White Chamber“ ein weiteres Mal in der Kategorie „Extrem“ vertreten. Regisseur Paul Raschid genügt ein einziger Schauplatz, um eine erschreckende, bereits heute durchaus plausible Zukunftsvision zu entwickeln. Eine Frau erwacht in der titelgebenden weißen Kammer. Ein Unbekannter spricht sie über Lautsprecher an, setzt sie Qualen aus, will Informationen. Doch wer ist sie überhaupt? Ein Zeitsprung fünf Tage zurück sorgt für eine überraschende Aufklärung. Mit im Ensemble: „Game of Thrones“-Star Amrita Acharia.

Nicole Kidman in der Komödie „How to Talk to Girls at Parties“.
Nicole Kidman in der Komödie „How to Talk to Girls at Parties“.

Filme in der Auswahl für den Europäischen Filmpreis 2018

Im diesjährigen FilmFest-Programm finden sich gleich mehrere Titel, die in die Auswahl für den kommenden Europäischen Filmpreis aufgenommen wurden, darunter die Spielfilme „Under the Tree“ und „Die andere Seite von allem“ sowie die erschütternden Dokumentationen „A Woman Captured – Eine gefangene Frau“ und „The Distant Barking of Dogs“.

Verleihung des Friedensfilmpreises

Beim 33. Unabhängigen FilmFest werden in diesem Jahr vier Preise in einem Gesamtwert von 16.500 Euro vergeben. Der Friedensfilmpreis, gestiftet von der Sievert Stiftung für Wissenschaft & Kultur, geht an einen Dokumentar- oder Spielfilm, der sich in herausragender Weise für humanes Denken und Toleranz ausspricht. Über die Vergabe entscheidet eine Jury, bestehend aus der Kulturjournalistin Jenni Zylka, dem Kameramann, Autor und Regisseur Andreas Köhler und dem Dokumentarfilmer Florian Weigensamer. Beide werden im Festivalprogramm außer Konkurrenz vertreten sein, Köhler mit dem weltumspannenden Familienporträt „Global Family“, Weigensamer mit „Welcome to Sodom“, seine gemeinsam mit Christian Krönes realisierte, bildstarke Dokumentation über Arbeit und Leben auf einer verpesteten ghanaischen Elektroschrottdeponie.

Festivalbesucher entscheiden über den besten Kurzfilm des FilmFests

Alljährlich lädt das Unabhängige FilmFest Filme ein, die sich kritisch mit den Lebenssituationen von Kindern in aller Welt befassen. Aus diesen Programmbeiträgen kürt ein Gremium aus Schülerinnen und Schülern den Gewinner des Filmpreises für Kinderrechte, der vom Fachbereich Kinder, Jugend und Familien der Stadt Osnabrück mit 2.000 Euro ausgestattet wird. Auch die Festivalbesucher werden zu Juroren: Sie befinden über den besten Kurzfilm des Festivals. Der Studierendenrat der Universität Osnabrück honoriert den Gewinner mit 500 Euro. Eine gesonderte Auszeichnung wird an den filmischen Nachwuchs vergeben.

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