Wenige Minuten vor der Entscheidung des Stadtrats, die nächste Groß- und Dauerbaustelle auf den Weg zu bringen, brachte der Grüne Volker Bajus die Sprengkraft dieser Entscheidung auf den Punkt: Es kann das kommunalpolitische Thema der nächsten Jahre werden. Aller Voraussicht nach wird die Baustelle auch noch im Jahr 2021, wenn der nächste Stadtrat gewählt wird, für Stau und Frust sorgen.

Eine Durchfahrt von der Lotter Straße in Richtung Gaste/IKEA wird ab kommenden Sommer bis voraussichtlich Anfang 2022 nicht möglich sein, dabei ist die Baustelle nur 750 Meter lang.

Mit Dauerbaustellen kennt sich die Regenbogenkoalition aus. Unter ihrer Führung wurde die Römereschstraße für 500 Meter Baustelle für mehr als ein Jahr gesperrt, dauert die Baustelle an der Knollstraße bereits mehr als zwei Jahre an und sorgt der Ausbau von zwei Kreuzungen an der Hansastraße ebenfalls für andauernden Frust bei Anliegern und Autofahrern – neben zahlreichen kleineren Baustellen im ganzen Stadtgebiet.

Nachtbaustellen sind hingegen in Osnabrück nahezu unbekannt, anders als zum Beispiel in Münster, wo ein Großteil der in diesem Sommer begonnenen Baustellen in den Nachtstunden erledigt wurden.


Wir fragen unsere Leser:

SPD will flexible Arbeitszeiten prüfen lassen

Dass die Erneuerung der städtischen Infrastruktur, zu der nicht allein die Fahrbahndecke sondern auch die unsichtbar darunter verborgenen Kanalleitungen unabdingbar ist, darin waren sich bei der jüngsten Ratssitzung alle Parteien einig. Doch was die Bauzeit angeht, gibt es vor allem in der Opposition Bedenken, dass damit das Maß des für die Pendler und Anwohner Erträglichen überschritten werden könnte. Mit der Prüfung flexibler Arbeitszeiten, zum Beispiel einer zusätzlichen Stunde, die die Bauarbeiter früher anfangen oder später aufhören könnten, wie es SPD-Verkehrsexperte Heiko Panzer vorschlug, sei es nicht getan, so Fritz Brickwedde, Fraktionsvorsitzender der CDU, Samstagsarbeit müsse geprüft werden.

CDU möchte volkswirtschaftliche Betrachtung der Baustellenfolgen

Brickwedde betonte als Aufsichtsrat der Städtischen Kliniken, wie wichtig die Erreichbarkeit des Finkenhügels für die Stadt ist und dass es „Bypässe“ für die Rettungsfahrzeuge geben muss. Damit die Bauunternehmen einen Anreiz für die schnelle Fertigstellung bekommen, regte er das Ausloben von Bonus-Zahlungen für die beteiligten Unternehmen an. Die Baustelle an der Rheiner Landstraße sei auch unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten und nicht rein nach betriebswirtschaftlichen Kennzahlen.

FDP erwartet „Verwerfungen“ bei Anwohnern und Geschäftsinhabern

Für die FDP mahnte Dr. Thomas Thiele an, die Bauunternehmen darauf zu verpflichten mit voller Manpower vor Ort zu sein und nicht bei Vorliegen anderer Aufträge ihre Mitarbeiter dort abzuziehen. Thiele bedauerte, dass nach Angaben der Verwaltung eine Tunnelbaustelle, die an der Lotter Straße „gut funktioniert“ habe, an der Rheiner Landstraße nicht möglich ist. So war in der Lotter Straße wenigstens eine halbseitige Verkehrsführung möglich. Für die Anwohner wird es „Verwerfungen“ geben, und wer dort ein Geschäfte hat, für den „wird es richtig problematisch werden“, so der Liberale, der auch en zumindest zeitweises Schließen der Westfalen-Tankstelle erwartet.

Gegen die Ausweitung der Arbeitszeit an der Baustelle um eine Stunde nach vorne und hinten und die von der CDU vorgeschlagene Samstagsarbeit wandte sich der Pirat Nils Ellmers, der ein „Verschleissen“ der Bauarbeiter befürchtete.

Am Ende der Diskussion blieb es bei Anregungen und Bedenken der Lokalpolitik, wie diese von der Verwaltung umgesetzt und beachtet werden, bleibt offen. Einstimmig wurden die Baustelle auf den Weg gebracht – in den Sommerferien 2019 rücken die Bagger an. Etwa 750 Meter Baustelle werden dann für mehr als zwei Jahre diese Haupteinfallstraße unterbrechen, so der derzeitige Planungsstand.