Am Ende ging alles sehr schnell: Nachdem unsere Redaktion bereits vor zwei Wochen über Änderungswünsche des Investors an den Detailplanungen für das seit mehr als fünf Jahren diskutierte Shoppingcenter berichtete, erreichte uns am Donnerstagabend eine kurzfristige Einladung ins Rathaus: Punkt 10 Uhr wurde der Bauantrag für das Shoppingcenter gestellt.

„Drei Woche vor Fristablauf“, erklärte Unibail-Chef Andreas Hohlmann, habe man die auf insgesamt 98 Leitz-Ordner verteilten Antragsunterlagen eingereicht. Neben einigen leitenden Mitarbeitern waren auch Vertreter des mit der Realisierung beauftragten Architekturbüros kadawittfeldarchitketur mit beim Pressetermin dabei, schwiegen jedoch weitestgehend.

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert freute sich über die große Resonanz bei der lokalen und regionalen Presse, die er so zuletzt bei der Verleihung des Friedenspreises erlebt hatte. Angesichts eines Volumens von 130 Millionen Euro, die nach Angaben des Bauherrn  am Standort Osnabrück investiert werden sollen – aber auch angesichts der langjährigen Verzögerungen und teils widersprüchlichen Versprechen inzwischen nicht mehr zuständiger Manager -, ist die große Aufmerksamkeit sicher nachvollziehbar.

Griesert: Es geht voran

Der Oberbürgermeister betonte daher auch, dass es nun wohl „ein großes Stück“ vorangehen würde. Nach Angaben Grieserts wurde von dem inzwischen als Unibail-Rodamco-Westfield firmierenden Unternehmen ein kompletter Bauantrag eingereicht, der auch hinsichtlich Statik komplett zu sein scheint. „Das kennen wir von anderen Bauvorhaben auch anders“, so der Oberbürgermeister. Näheres werde die nun anlaufende Prüfung und das Genehmigungsverfahren ergeben, das voraussichtlich kurz nach der Jahreswende abgeschlossen sein wird.

Baubeginn vermutlich im März 2019

Der Deutschland-Chef des Investors gab sich zuversichtlich, dass mit Abriß und nachfolgendem Baubeginn ungefähr im März zu rechnen sei. Nach Ansicht von Andreas Hohlmann gab es unternehmensintern nie Zweifel am „OSKAR“ getauften Projekt: „Wir waren vom Standort in Osnabrück immer überzeugt“, so Hohlmann, und weiter „wir haben nie wirklich am Projekt gezweifelt“.
Nach seinen Angaben sei es „Realität“, dass in Deutschland Genehmigungsphasen vier bis fünf Jahre dauern. Nach einer Entscheidung des OVG Lüneburg, das letzte Hindernisse aus dem Weg räumte, habe man „direkt mit den Vorbereitungen begonnen“, so der Manager. Nun habe man das Risiko für sein Unternehmen weiter erhöht und weiter in das Projekt investiert. Er sei „felsenfest überzeugt“, betonte der ehemalige Manager des lokalen Branchenprimus ECE, dass in Osnabrück ein „super-attraktiver Standort“ entstehen werde.

Mehr Gastronomie und Auslieferstation für Onlinehandel – Ankermieter weiter unbekannt

Neben einer verstärkten Hinwendung zu gastronomischen Mietern, wird man zukünftig in Osnabrück sicher auch eine stärkere Einbindung des Onlinehandels erleben, erläuterte der Investor. Unter dem Begriff „Click & Connect“ werde unternehmensintern an Konzepten gearbeitet, die Onlinekäufe der Kunden im Shoppingcenter zur Abholung bereitzustellen.
Wer aber Ankermieter im neuen Shoppingcenter wird, wollte man der Presse nicht sagen. Frühere Manager des Investors hatten immer wieder erklärt, dass der Bauantrag einher gehen würde mit der Benennung des Ankermieters. „Das war vielleicht nicht klug“, so Andreas Hohlmann über das Kommunikationsverhalten seiner Vorgänger und ehemaligen Mitarbeiter.

Deutschlands letzter Shoppingcenter-Neubau?

Die Frage, ob Einkaufscenter überhaupt noch eine Zukunft haben, blieb beim Pressetermin offen. Ob es nach dem Osnabrücker Projekt noch weitere Neubauvorhaben seines Unternehmens geben soll, wollte der Unibail-Chef nicht beantworten. Stattdessen verwies Hohlmann auf ein parallel und bereits deutlich weiter fortgeschrittenes Projekt in Hamburg und ein dreistelliges Investitionsvolumen seines Unternehmens für die kommenden Jahre am Standort Deutschland. Auf Nachfrage musste der Investor jedoch zugeben, dass diese künftigen Investitionen lediglich dem Ausbau und der Renovierung bereits bestehender Shoppingcenter dienen.

Immer noch kein „Point of no Return“

Ebenfalls offen blieb, warum nach Einreichung einer Abrissanzeige im Frühjahr 2016 und dem angeblich nun grossen „Commitment“ zum Standort Osnabrück nicht mit dem Abriss begonnen werde. Ob die Einreichung des Bauantrags einen „Point of no Return“ für das Osnabrücker Projekt bedeutet, beantwortete der Investor mit der Gegenfrage, ob man selbst nun das Projekt aufgeben würde, wenn man nun nochmals so viel investiert hätte?

 


[Kommentar des Redakteurs]
Die rhetorische geschickte aber ausweichende Antwort bzw. Gegenfrage des Unibail-Managers provoziert zu einem Kommentar – auch wenn es Blödsinn ist, die Frage ob nun gebaut wird oder nicht an einen Journalisten zu verweisen, das sollten eigentlich die Fachleute entscheiden und kommunizieren statt auszuweichen.
Tatsächlich können sich die Osnabrücker freuen, dass in das lange verschluderte Projekt Bewegung gekommen ist. Die Normenkontrollklage, die durch das OVG-Urteil im Frühjahr aus dem Weg geräumt wurde, hätte aber durch Engagement des Investors auch schon viel früher kein Hindernisgrund sein müssen. Letztlich ging es um die Überbauung eines Grundstücks, die von der Stadtverwaltung eingeplant worden war ohne den Eigentümer um Erlaubnis zu bitten. Ein Kauf des fraglichen Grundstücks hätte hier problemlos Klarheit schaffen können. Gemessen an der Gesamtinvestition hätten „Peanuts“ einen schnellen Baubeginn gesichert.
Wenn es einen Ankermieter gegeben hätte, der auf einen schnellen Bau gedrängt hätte, wäre es wohl auch dazu gekommen. Nun aber sorgte das OVG für überraschend schnelle Klarheit und die Frist für die Einreichung des Bauantrags begann gnadenlos abzulaufen.

Fakt ist: Hätte Unibail nicht jetzt – egal ob heute oder aber spätestens in drei Wochen – einen Bauantrag eingereicht, wäre das Projekt geplatzt.
Selbstverständlich lagen die notwendigen Unterlagen beim Architekten zumindest in Grundzügen bereits vor – siehe oben: Ein auf Baubeginn drängender Ankermieter hätte für eine schnelle Lösung gesorgt – nun war es der drohende Fristablauf.
Dass immer noch keine Aussagen zum Ankermieter gemacht werden – im Gegenteil, der bislang als Mieter gehandelte Name SinnLeffers überhaupt nicht mehr genannt wurde, sollte die Freude ein wenig dämpfen.
Im Verlauf der vergangenen Ratssitzung beschrieb der SPD Fraktionsvize Heiko Panzer die nächsten Schritte, die seiner Ansicht nach darin bestehen würden, dass auf der Münchner Immobilienmesse EXPO REAL im Oktober nun die Mieter eingesammelt werden, die dann ca. 2021 ihre Läden am Neumarkt eröffnen sollen.
Wollen wir für die Zukunft der Stadt und des Problemplatzes Neumarkt hoffen, dass das mit dem „Einsammeln“ der Mieter alles so läuft, wie geplant. Wenn es um Mieter ging, war es beim Pressetermin heute im Rathaus sehr ruhig – und ohne Mieter geht es wohl nicht.