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Startseite AktuellAutos raus, Nachbarn rein: So will Osnabrück 2026 Sommerstraßen testen
AktuellOsnabrück

Autos raus, Nachbarn rein: So will Osnabrück 2026 Sommerstraßen testen

von Dominik Lapp 30. April 2025
von Dominik Lapp 30. April 2025
Kommen nach den Fahrradstraßen jetzt die Sommerstraßen?
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Die Stadt Osnabrück wagt im Sommer 2026 einen neuen Schritt hin zu mehr Lebensqualität im öffentlichen Raum. In der Ratssitzung am Dienstag (29. April) wurde beschlossen, das Konzept der so genannten Sommerstraßen im Rahmen eines Pilotprojekts an drei Standorten im Stadtgebiet zu erproben. Ziel ist es, temporär vom Autoverkehr befreite Straßen als Orte der Begegnung, Bewegung und Erholung für die Bürgerinnen und Bürger nutzbar zu machen – direkt vor der eigenen Haustür.

Die Idee stammt ursprünglich aus Stockholm, wo bereits 2015 erste Straßenabschnitte im Sommer in Freiräume für die Stadtgesellschaft verwandelt wurden. In Deutschland hat München 2019 mit einem erfolgreichen Pilotversuch den Weg bereitet, dem inzwischen auch Berlin, Mainz und Saarbrücken gefolgt sind. Nun soll auch Osnabrück diesen Weg ausprobieren – angepasst an die lokalen Gegebenheiten und Bedürfnisse.

Ein Sommer des Miteinanders

Das Vorhaben knüpft an den Ratsbeschluss „Sommer des Miteinanders“ von 2022 an. Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, die Voraussetzungen für die Umsetzung zu schaffen und der Politik zeitnah konkrete Vorschläge zu unterbreiten. Denkbar sind unterschiedliche Varianten, etwa verkehrsberuhigte Zonen oder komplett autofreie Abschnitte – immer zeitlich befristet und in enger Abstimmung mit Anwohnenden, Handel und Institutionen vor Ort.

Bürgernahe Freiräume statt Konsummeilen

Die temporär freigemachten Flächen sollen ausdrücklich nicht als Partyzonen oder Konsummeilen dienen, sondern dem nachbarschaftlichen Miteinander, dem Spielen von Kindern, dem Aufenthalt von Seniorinnen und Senioren oder auch kleineren Kulturaktionen Raum geben. „Begegnungen schützen vor Einsamkeit“, betonte Dr. Kristina Pfaff (Grüne) in der Ratssitzung. Sie sieht in dem Projekt eine Investition in soziale Nachhaltigkeit.

Auch Jens Meier (Grüne) stellte klar: „Nicht alle Menschen haben einen Balkon oder Garten. Eine Sommerstraße gibt ihnen die Möglichkeit, sich wohnortnah draußen aufzuhalten.“ Für ihn wäre es zudem ein Signal, denn „Autos sind uns offenbar immer noch wichtiger als Kinder.“

Kontroverse Diskussion im Rat

Doch die Zustimmung war nicht einhellig. Insbesondere CDU und UWG äußerten deutliche Kritik. Levin Bosche (CDU) warnte vor einer geringen Akzeptanz, verweist auf gescheiterte Versuche in München und befürchtet Einschränkungen für Gewerbetreibende, Rettungsdienste und Parkplatzsuchende: „Ich will nach Feierabend nicht noch 20 Minuten nach einem Parkplatz suchen.“

Anette Meyer zu Strohen (CDU) äußerte zudem Bedenken hinsichtlich des Aufwands für die Einrichtung der Sommerstraßen: „Sicherheit, Reinigung, Kontrolle – das ist ein riesiges Unterfangen.“ Ihrer Einschätzung nach sei der Nutzen für Gastronomie und Stadtgesellschaft fraglich, während Verwaltungskosten und potenzielle Klagen drohten. Wulf-Siegmar Mierke (UWG) warnte davor, Bürgerinnen und Bürger mit geringer Begeisterung zu bevormunden: „Das ist kein Sommermärchen! Wer bezahlt das?“

Es geht um einzelne, wenig befahrene Straßenabschnitte

Dagegen warb Susanne Hambürger dos Reis (SPD) für mehr Gelassenheit: „Das ist ein Horrorszenario, das Herr Bosche zeichnet.“ Für sie steht die Erfahrung im Vordergrund: „Gerade Kinder und Jugendliche, aber auch ältere Menschen können davon profitieren. Wichtig ist die Kommunikation mit den Anwohnern.“ Für die SPD ist die begrenzte Erprobung ein gangbarer Weg.

Auch Dr. Henry Gehrs (Linke) hielt dem entgegen: „Wir reden nicht davon, die Hannoversche Straße sieben Monate lang zu sperren.“ Vielmehr gehe es um einzelne, wenig befahrene Straßenabschnitte, in denen ein lebendiges Miteinander möglich werden soll.

Nächste Schritte

Die Verwaltung wird nun beauftragt, Vorschläge für geeignete Standorte der Sommerstraßen zu erarbeiten. Bereits bestehende Erfahrungen aus Städten wie Mainz und München sollen dabei als Orientierungshilfe dienen. Klar ist: Die Umsetzung muss mit Anwohnenden, Gewerbe und Rettungsdiensten abgestimmt sein – und auch scheitern darf erlaubt sein. Denn: Nur wer ausprobiert, kann lernen.

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Dominik Lapp

Dominik Lapp ist seit 2023 Redaktionsleiter der HASEPOST. Der ausgebildete Journalist und Verlagskaufmann mit Zusatzqualifikation als Medienberater, Social-Media- und Eventmanager war zuvor unter anderem als freier Reporter für die Osnabrücker Nachrichten, die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt sowie als Redakteur beim Stadtmagazin The New Insider und als freier Autor für verschiedene Kultur-Fachmagazine tätig. Seine größte Leidenschaft gilt dem Theater, insbesondere dem Musical und der Oper, worüber er auch regelmäßig auf kulturfeder.de berichtet.

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