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Wende am Böllenfalltor? Der VfL Osnabrück muss in Darmstadt punkten!

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„Die Lage ist ernst, aber noch lange nicht hoffnungslos“… das war das Intro des letzten Vorab-Berichts unseres VfL-Reporters. Inzwischen ist der VfL einen Schritt weiter in die falsche Richtung gegangen.

Eine Vorschau von Hermann Schmidt

Der SV Darmstadt 98 ist nach der Frankfurter Eintracht, den Offenbacher Kickers und dem KSV Hessen Kassel einer der Traditionsvereine des hessischen Fußballs. Vom Erstligisten Eintracht Frankfurt einmal abgesehen, fristen die Männer vom Bieberer Berg und vom Kasseler Auestadion inzwischen ihr Dasein in den Niederungen der Regionalliga Südwest.

Die „Lilien“ aus der südhessischen Großstadt haben sich nach jeweils kurzen Aufenthalten in der Bundesliga (1978/79, 1981/82, 2015-2017) in der 2. Liga etabliert. Hauptsponsor und aktueller Namenspatron des Stadions ist das Arzneimittel- Unternehmen Merck. Die vor genau hundert Jahren errichtete und immer wieder umgebaute Arena der Darmstädter ist bei den Fußballfans in Deutschland allerdings das „Stadion am Böllenfalltor“ geblieben. Und das ist gut so!

Seit Beginn der Saison hat der gebürtige Rheinländer Markus Anfang als Cheftrainer das Ruder der „Lilien“ übernommen. Unter seiner Regie nahm vor einigen Jahren der Aufstieg der Kieler „Störche“ seinen Lauf. Als der 1. FC Köln ihn rief, konnte er allein aus pekuniären Gründen nicht widerstehen und kehrte zur Saison 2018/2019 in seine Geburtsstadt zurück. Die Liebe am Rhein hielt nur ein Jahr. Noch auf Platz 1 stehend, musste Markus Anfang nach vier Niederlagen in Folge weichen und fand eine neue Heimat am Darmstädter Böllenfalltor. Trainer Anfang liebt den ballbesitzorientierten Aufbaufußball. Dazu bedarf es durchweg technisch begabter Spieler, die er seinerzeit in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt zur Verfügung hatte. Kingsley Schindler, Dominick Drexler und Rafael Czichos wechselten von Kiel nach Köln, und in Darmstadt hat Markus Anfang mit Patrick Herrmann, Aaron Seydel, Fabian Schnellhardt und Mathias Honsak gleich vier ehemalige „Störche“ an seiner Seite. Auch der sportliche Leiter der Darmstädter, Carsten Wehlmann, hat mit Markus Anfang bereits in Kiel zusammengearbeitet.

Der zu Saisonbeginn verkleinerte Kader setzt auf junge Spieler. Laut „Transfermarkt.de“ weisen die Spieler der „Lilien“ einen Marktwert von 16,2 Millionen Euro aus (VfL Osnabrück 12,9 Millionen Euro). In den letzten sechs Ligaspielen wurde viermal verloren, gegen Jahn Regensburg gab es ein Unentschieden und nur gegen den SV Sandhausen holte man 3 Punkte. Im DFB-Pokal schieden die „Lilien“ nach gutem Spiel durch Elfmeterschießen gegen Holstein Kiel aus. In der aktuellen Tabelle steht der SV Darmstadt 98 auf Platz 13, punktgleich mit dem FC St. Pauli und dem VfL Osnabrück, nur getrennt durch die bessere Tordifferenz.

So steht am kommenden Sonntag um 13.30 Uhr am Böllenfalltor für beide Teams einiges auf dem Spiel. Seit sechs Spielen ist der VfL Osnabrück sieg- und punktlos geblieben. Um dem Abstiegssog zu entkommen, müssen die Lila-Weißen im Auswärtsspiel am Valentinstag punkten, am besten mit einem Sieg. Am Willen dazu hat es in den letzten beiden Begegnungen gegen Hannover 96 und den VfL Bochum nicht gefehlt. Doch das war dann schon alles. Zu erwarten ist, dass VfL- Coach Marco Grote sein Team offensiver einstellen wird, um den erforderlichen Druck in der gegnerischen Hälfte zu erhöhen.

Ballsichere Spieler wie Niklas Schmidt, David Blacha und Ludovit Reis (falls er nicht erneut wegen muskulärer Probleme ausfällt) können einen gleichwertigen Gegner in Verlegenheit bringen. Unruhe oder gar Panik sind bislang bei den Verantwortlichen an der Bremer Brücke nicht ausgebrochen. Der aktuell von Trainer Marco Grote im zentralen Mittelfeld eingesetzte etatmäßige Linksaußen und Kunstschütze Sebastian Kerk macht sich und den VfL-Fans Mut: „Wenn wir so arbeiten wie in der zweiten Halbzeit gegen Bochum, dann kämpfen wir uns da wieder raus!“

Das Spiel in Darmstadt wird richtungsweisend für den VfL sein, denn mit dem 1. FC Heidenheim, dem SV Sandhausen und Jahn Regensburg folgen Aufgaben, die auch für die zuletzt arg gebeutelten Männer von der Bremer Brücke lösbar erscheinen. Ein Sieg oder wenigstens ein Punkt beim SV Darmstadt 98 könnten die Stimmung in den lila-weißen Reihen erheblich aufhellen.

Titelfoto: Stadion am Böllenfalltor, by Twine333, CC BY-SA 4.0

 

 

 

 

Hermann Schmidt
Hermann Schmidt beobachtet den Fußball an der Hase von der Elbe aus. In Hamburg war der gebürtige Hesse lange Zeit als Verlagsmanager tätig. Zwanzig Jahre lang hat er selbst gespielt, in der Jugend als Stürmer und danach als Vorstopper in seiner Heimat und beim BFC Südring (Berlin). Schmidt ist Autor zahlreicher Fußballbücher und Biografien. Die Buchveröffentlichungen „Legenden des FC St. Pauli“ und „Männer trinken kein Fanta“ sind im Jahr 2020 erschienen. Zu seinen Lieblingsclubs gehören neben dem VfL auch Holstein Kiel, der FC St. Pauli und der 1.FC Köln.

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