Atomaufsicht fordert Sanierungskonzept für Neckarwestheim II


Foto: Atomkraftwerk, über dts

Neckarwestheim (dts) – Das Atomkraftwerk GKN II (Neckarwestheim) darf erst dann wieder ans Netz gehen, wenn der Betreiber EnBW ein Sanierungskonzept für die Dampferzeuger umgesetzt hat. Das erklärte das Landesumweltministerium auf Anfrage der „Heilbronner Stimme“ (Mittwochausgabe). Der Karlsruher Energieversorger hatte die Revision des Kraftwerks bis Mitte November verlängert, weil geschwächte Heizrohre entdeckt worden sind.


Dampferzeuger gehören zu den sicherheitsrelevanten Bauteilen eines Kernkraftwerks. In einem Druckwasserreaktor gibt es mehrere Kühlkreisläufe. Der Primärkreislauf hat direkten Kontakt zu den Brennstäben und enthält radioaktiv belastete Kühlflüssigkeit. In den Dampferzeugern geben Heizrohre die Wärme vom Primär- an den Sekundärkreislauf weiter. Entscheidend ist, dass der Primärkreislauf zu 100 Prozent geschlossen bleibt. Bei der aktuell laufenden Revision hat die EnBW Schwächungen der Rohrwände festgestellt, betont aber, dass die Wandstärke noch immer ausreichend gewesen sei. Die Dampferzeuger würden weiter überprüft, die Ergebnisse dann bewertet. Zudem werde geklärt, warum das Material der Heizrohre gelitten hat. „Die Wartung der Dampferzeuger steht im Mittelpunkt, und daran muss sich die Dauer der gesamten Revision orientieren“, sagte Geschäftsführer Christoph Heil der Zeitung. Er verantwortet bei der EnBW den Leistungsbetrieb der Reaktoren. Die endgültigen Inspektionsergebnisse liegen der Atomaufsicht im Umweltministerium noch nicht vor. Messwerte lieferten aber keine Hinweise, dass es zu Lecks in den Dampferzeugerheizrohren gekommen ist. Alle Rohre weisen, so das Ministerium, noch ausreichende Wanddicken aus. Grundsätzlich sind Kernkraftwerke auf Schäden an solchen Heizrohren ausgelegt. Messtechnik hilft, selbst kleine Lecks rasch zuerkennen. Würde ein Rohr komplett abreißen, würde dies als Störfall betrachtet. Bislang hat es laut Atomaufsicht derartige Wanddickenschwächungen bei GKN II noch nicht gegeben, sehr wohl aber in anderen deutschen und ausländischen Anlagen. Warum es zu den Problemen in Neckarwestheim gekommen ist, können auch die Fachleute des Umweltministeriums noch nicht sagen. Zur Klärung würden auch Sachverständige hinzugezogen. Sobald die Ursachen klar sind, werde ein umfassendes Sanierungskonzept erarbeitet. „Nach jetzigem Sachstand wird dieses Konzept aus mehreren Komponenten bestehen“, sagte ein Ministeriumssprecher dem Blatt. Alle Rohre mit rissartigen Befunden würden mit Stopfen verschlossen. GKN II könne erst dann wieder angefahren werden, wenn „dem Umweltministerium nachgewiesen wurde, dass alle erforderlichen Maßnahmen getroffen wurden und daher mit sehr großer Wahrscheinlichkeit kein Dampferzeugerrohrleck im kommenden Betriebszyklus zu erwarten ist“, erklärte der Ministeriumssprecher weiter. GKN II ist ein Druckwasserreaktor mit einer Leistung von 1.400 Megawatt. Der Reaktor soll als letztes deutsches Kernkraftwerk Ende 2022 vom Netz gehen. Kernkraftgegner sehen sich von den aktuellen Problemen in ihrem Widerstand bestätigt. „Dauerhaftes Abschalten wäre besser“, fordert zum Beispiel Franz Wagner von der Arbeitsgemeinschaft Atomerbe Neckarwestheim.