Noch schnell bevor zum Monatsende wegen der Brutzeit das Abholzen von Bäumen verboten ist, sollten am Freitag mehrere alte Bäume in Nachbarschaft der alten Hafenspeicher gefällt werden – doch die Anlieger stellten sich dazwischen und die von der Stadtwerke-Tochter ESOS beauftragten Fällarbeiter mussten fast unverrichteter Dinge abziehen.

Es ist wohl Carsten Gronwald zu verdanken, dass an diesem Freitag nur ein Baum den Kettensägen-Tod sterben musste. Der Manager des neu eingerichteten Musikspeichers stellte die Bauarbeiter zur Rede und sorgte für einen vorläufigen Stopp der Fällarbeiten.



Doch die Stadtwerke halten an ihrem Kahlschlag-Plan fest. Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer, dass die Maßnahme im Rahmen der vorbereitenden Arbeiten für die Erweiterung der Güterumschlagsanlage „KLV“ bereits 2017 genehmigt worden sei.

Hier wird gefällt, woanders neu gepflanzt

Der „landschaftspflegerische Begleitplan“, so Hörmeyer, legt allerdings auch fest, dass eine Kompensation für die bis zu fünf zur Fällung anstehenden Bäume erfolgen muss. Diese im Umfang ähnlichen Bäume sollen, müssen aber nicht zwangsläufig, in räumlicher Nähe gepflanzt werden.

K.A.F.F., Hafen, Petersburg
Gemeinsam gegen Baumfrevel an den alten Hafenspeichern, Mitglieder und Freunde des K.A.F.F.

Dass auch mal Bäume gefällt werden müssen, kann Baumschützer Ralf Florian durchaus nachvollziehen, aber „warum an einer Grundstücksgrenze“?
Tatsächlich stehen die großen alten Bäume in direkter Nachbarschaft zum Grundstückszaun der Firma Kaffee Partner und werden nach Ansicht von Ralf Florian einer zukünftigen Bebauung der Fläche sicher nicht im Wege stehen.

Im Hafen sollen bald noch viel mehr Bäume gefällt werden

Als entlang der geplanten neuen Schienenwege auf das Umschlaggelände ebenfalls Bäume gefällt wurden, „war ja ein Sinn der Aktion zu erkennen“, so Florian, der sich um noch viele weitere Bäume im alten Hafengebiet sorgt.
Nach Florians Angaben sollen schon bald und nicht weit entfernt mehrere Hundert Bäume gefällt werden, um an der Stelle ein Zwischenlager für Müll zu schaffen – ohne dass dadurch eine sinnvolle Entwicklung zu erkennen ist, bis auf die Schaffung eines Logistik-Puffers für die Müllsortieranlage im Industriegebiet.

Stadtverwaltung sägt „Grüne Finger“ kurz und klein

Für Ralf Florian, der den Landfahrer-Platz im Hafen betreut, ist die Kettensägen-Politik in der Stadt nicht vereinbar mit den „Grünen Fingern“, die immer als besonders schützenswert bezeichnet werden. Nach eigenen Recherchen, so Florian, stimmen die von der Stadt verbreiteten Angaben zur Ausdehnung der Grünen Finger ohnehin schon lange nicht mehr, weil an zahlreichen Stellen immer wieder kleinere Baumgruppen gefällt werden und die Fläche dann versiegelt wird.

Wie geht es weiter?

Zusammen mit den von der Petersburg in den Hafen umgezogenen Mitgliedern und Freunden des K.A.F.F. (ehemals Freiraum Petersburg) wurden am Sonntag Unterschriften gegen die Fällaktion gesammelt. 

Nach Angaben des Stadtwerkesprechers wird geprüft, ob nicht wenigstens ein oder zwei der zur Fällung vorgesehenen Bäume erhalten bleiben können. Wie Hörmeyer betont, sei diese Prüfung aber bereits seit längerem geplant.

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