Osnabrück Angebot für Betroffene in Nordwest-Niedersachsen: Exil gründet Beratungsstelle zu...

Angebot für Betroffene in Nordwest-Niedersachsen: Exil gründet Beratungsstelle zu rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt

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Beratungs-Projekt gestartet: Ambachew Anjulo, Sara Höweler und Marc Deckelmann (v.l.) von Exil präsentierten das Projekt „Name it!“. Betroffene rechter Gewalt In Nordwest-Niedersachsen können sich künftig an den Verein Exil wenden. / Foto: Exil/Therese Heise.

Im Rahmen des Projekts „Name it!“ berät der Verein Exil ab sofort Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in der Region Nordwest-Niedersachsen. Die Beratungsstelle hat zum 3. Juli ihre Arbeit aufgenommen.

Von Emden bis zur Wesermarsch, von der Grafschaft Bentheim bis Diepholz: Betroffene haben damit eine neue Anlaufstelle, die sie bei allen Schritten von der Anzeige der Tat über das Empowerment bis zur Sichtbarmachung von Rassismus unterstützt und begleitet. „Rassismus, rechte Gewalt, Antisemitismus und andere Formen menschenfeindlicher Gewalt sind in Niedersachsen allgegenwärtig. Allein im vierten Quartal 2019 wurden 321 Fälle rechtsmotivierter Straftaten polizeilich registriert, davon 90 in der Region Nordwest“, erklärt Exil-Geschäftsführerin Sara Höweler. Das Projekt „Name it!“ soll den Betroffenen dabei helfen, die Taten aufzuarbeiten und zu bewältigen. Dies geschieht nicht nur in Osnabrück, die Berater des Vereins sind mobil: „Wir fahren auch raus und beraten Betroffene direkt in ihrem Heimatort. Wenn wir von Fällen erfahren, suchen wir auch proaktiv den Kontakt, wobei wir immer Partei für die Betroffenen ergreifen und ausschließlich in ihrem Sinne handeln.“

Auf Wunsch auch anonyme Beratung

Die Beratung richte sich gezielt an Menschen, die Gewalt erfahren mussten. „Wir beraten zu allen Formen von Gewalt – seien es Beschimpfungen, Bedrohungen, Gefährdungen, Verletzungen bis zum Mord oder Beschädigung von Eigentum“, erklärt Höweler. Auch Freunde, Angehörige sowie Zeugen des Vorfalls können die Beratung von Exil in Anspruch nehmen. „Auf Wunsch beraten wir auch anonym“, ergänzt Projektmitarbeiter Ambachew Anjulo, die Betroffenen könnten sich ohne Angabe ihres Namens per E-Mail oder telefonisch melden. In Kürze wird auch eine Webseite eingerichtet, über die Betroffene oder Zeugen über ein Kontaktformular eine Tat melden und Beratung in Anspruch nehmen können. Das Angebot ist kostenfrei.

Verein ist auf ein breites Netzwerk angewiesen

Gefördert wird das Projekt vom Landes-Demokratiezentrum Niedersachsen aus Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ und Landesmitteln. Auch in den anderen Regionen Niedersachsens wurden Beratungsstellen eingerichtet: Für die Region Nordost-Niedersachsen ist künftig das CJD Nienburg, für Südniedersachsen der Verein Asyl e.V. in Hildesheim zuständig. In den nächsten Monaten liegt der Fokus auf der Bekanntmachung des Angebots. „Wir wollen dafür Auftaktveranstaltungen in allen Kreisen und kreisfreien Städten der Region Nordwest machen und knüpfen zurzeit entsprechende Kontakte“, so Höweler. Um das Projekt erfolgreich durchführen zu können, ist der Verein auf ein breites Netzwerk angewiesen und nimmt gerne Hinweise von anderen Stellen entgegen. Beratungsstellen, die im Bereich Migration tätig sind und von Fällen rechter Gewalt erfahren, können sich an Exil wenden oder ihre Klienten über das Projekt informieren. „Das Angebot befindet sich zurzeit noch im Aufbau, aber wir geben gerne schon erste Infos heraus und freuen uns auf die neuen Aufgaben und Herausforderungen“, so Anjulo.

Vielseitiges Angebot für Betroffene

Die Beratung orientiert sich dabei am Empowerment-Konzept, das Menschen dazu befähigen will, sich ihrer eigenen Fähigkeiten wieder bewusst zu werden und Kräfte zu entwickeln, um ihren Lebensalltag bewältigen zu können. „Betroffene rechter Gewalt scheuen sich häufig, die Tat zu melden“, sagt Anjulo. „Ein Grund dafür ist auch die Angst, erneut ins Visier der Täter zu geraten.“ Hier will Exil unterstützen und dazu ermutigen, Tat und Täter zu benennen. Aber auch diejenigen, die keine rechtlichen Schritte wünschen, erhalten Unterstützung: „Wir bieten psychosoziale Beratung an, schaffen Empowerment-Angebote und wollen Betroffenen dabei helfen, in Zukunft besser auf entsprechende Übergriffe reagieren zu können“, so Anjulo.

Zusammenarbeit mit möglicher Meldestelle vorstellbar

Der Start des Projekts fällt in eine Zeit, in der der Rat der Stadt Osnabrück die Stadtverwaltung erst vor Kurzem aufgefordert hat, den Bedarf für eine Meldestelle für rechte und rassistische Übergriffe zu prüfen. „Im Rahmen der Ratssitzung am 7. Juli wurde das Projekt ‚Name it!‘ erwähnt, wir sind hierzu auch bereits in Gesprächen mit dem Gleichstellungsbüro der Stadt“, kommentiert Höweler. „Falls die Meldestelle kommen sollte, können wir uns eine Zusammenarbeit grundsätzlich gut vorstellen.” Je nachdem, welche Funktion und Aufgaben die Meldestelle haben soll, hält Höweler aber eine unabhängige Trägerschaft für die beste Lösung. „Es gibt dafür in Hessen ein gutes Beispiel: Die Beratungsstelle Response betreibt dort die Internetseite ‚Hessen schaut hin‘.“

Betroffene rechter Gewalt können sich per E-Mail unter info@betroffenenberatung.de oder telefonisch an das Projekt-Team von Exil unter der Nummer 0541 380699-0.


PM
Täglich erreichen uns dutzende Pressemitteilungen, von denen wir die auswählen, die wir für unsere Leser für relevant und interessant halten. Sofern möglich ergänzen wir die uns übermittelten Texte. Sofern nötig kürzen wir allzu werberische Aussagen, um unsere Neutralität zu wahren. Für Pressemitteilungen der Polizei gilt: diese werden bei Fahndungsaufrufen oder Täterbeschreibungen grundsätzlich nicht gekürzt.

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