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60 Jahre im Takt der Stadt: Wie die Tanzschule Hull Osnabrück das Tanzen lehrte

📍Ort des Geschehens: Osnabrück - Innenstadt

Manche Orte gehören so selbstverständlich zum Stadtbild, dass man sich kaum vorstellen kann, wie es ohne sie wäre. Die Tanzschule Hull ist so ein Ort. Seit sechs Jahrzehnten steht sie für Rhythmus, Begegnung und Lebensfreude – und für eine Familiengeschichte, die weit vor Osnabrück begann.

Der Ursprung liegt im Jahr 1948, als sich die tanzbegeisterte Maureen und der Royal-Air-Force-Flieger Pat Hull kennen lernten. Aus ihrer Verbindung wuchs nicht nur eine Familie mit drei Kindern, sondern auch eine gemeinsame Vision: Tanzen nicht nur zu leben, sondern weiterzugeben.

Der Anfang im Lortzinghaus

1966 zog die Familie Hull nach Osnabrück. Im traditionsreichen Lortzinghaus, wo heute die Freimaurerloge „Zum Goldenen Rade“ beheimatet ist, eröffneten sie ihre erste Tanzschule – bescheiden, aber voller Enthusiasmus. Zwei Stunden Saalmiete, zwei Tanzpaare, viel Idealismus. Doch schnell zeigte sich: Das Interesse war größer als der Raum. Tanzen traf einen Nerv.

Maureen und Pat Hull gründeten die Tanzschule in Osnabrück. / Foto: Tanzschule Hull
Maureen und Pat Hull gründeten die Tanzschule in Osnabrück. / Foto: Tanzschule Hull

1974 folgte der Umzug in die Hasestraße, in das ehemalige Bäckereihaus Blanke. Ein Schritt, der prägend werden sollte. Bis heute ist dieser Ort ein Zentrum für Bewegung, Begegnung und Gemeinschaft – und ein fester Bestandteil der Osnabrücker Kulturlandschaft.

Weltmeister auf dem Parkett

Die Tanzschule Hull ist untrennbar mit den Namen Patsy und Michael Hull verbunden. Michael Hull, geboren in Bückeburg und seit vielen Jahren in Osnabrück zuhause, gewann 1980 seinen ersten Weltmeistertitel im Discotanz. Gemeinsam mit seiner Schwester Patsy Hull-Krogull entwickelte er sich zu einem der erfolgreichsten Tanzpaare der Welt.

Zwischen 1980 und 1991 sammelten die beiden nationale Titel und vier Weltmeisterschaften in den Bereichen Standard, Latein und den zehn Turniertänzen. Diese umfassen die fünf Standardtänze Langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slowfox und Quickstep sowie die fünf lateinamerikanischen Tänze Samba, Cha-Cha-Cha, Rumba, Paso Doble und Jive. Der internationale Erfolg brachte Osnabrück in die Tanzwelt – und umgekehrt.

Foto: Patsy & Michael Hull Foundation
Das „Dance to the World Festival“ der Hull-Foundation bringt Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. / Foto: Patsy & Michael Hull Foundation

Tanzen als Türöffner für Teilhabe

Doch die Geschichte der Tanzschule Hull endet nicht bei Medaillen und Titeln. Seit über zwanzig Jahren engagieren sich Patsy und Michael Hull intensiv für Menschen mit Behinderung. Inklusive Tanzstunden, Musicalprojekte und Wettbewerbe gehören ebenso zur Arbeit wie der Gedanke, dass Tanzen allen offenstehen muss.

Um dieses Engagement dauerhaft zu verankern, gründeten sie 2003 den Verein Hull Vision Inklusion, der Menschen mit Behinderung durch Tanz mehr Teilhabe ermöglicht. Für die Familie Hull ist Tanzen Identität und ein kraftvolles Werkzeug für gesellschaftliche Teilhabe.

Die dritte Generation übernimmt

Seit 2025 wird die Tanzschule Hull in dritter Generation geführt. Jenny Krogull-Grüter, Tochter von Patsy Hull-Krogull, hat die Geschäftsführung übernommen. Sie verbindet das Erbe der Gründerfamilie mit neuen Ideen, modernen Unterrichtskonzepten und einem klaren Blick auf die Zukunft des Tanzens in Osnabrück. Dabei bleibt der Kern unverändert. Oder wie es ein Leitsatz der Familie auf den Punkt bringt: „Wer tanzt, findet Freunde.“

Ein Jubiläum mit offenen Türen

Zum 60-jährigen Bestehen lädt die Tanzschule Hull noch bis zum 11. Januar ein, alle Kurse kostenlos zu testen, Tanzstile zu entdecken und Leute kennen zu lernen sowie in Grund- und Aufbaukurse reinzuschnuppern. Ohne Anmeldung und Verpflichtung können alle interessierten einfach in der Hasestraße 6-7 in Osnabrück vorbeischauen.


 
Dominik Lapp
Dominik Lapp
Dominik Lapp ist seit 2023 Redaktionsleiter der HASEPOST. Der ausgebildete Journalist und Verlagskaufmann mit Zusatzqualifikation als Medienberater, Social-Media- und Eventmanager war zuvor unter anderem als freier Reporter für die Osnabrücker Nachrichten, die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt sowie als Redakteur beim Stadtmagazin The New Insider und als freier Autor für verschiedene Kultur-Fachmagazine tätig. Seine größte Leidenschaft gilt dem Theater, insbesondere dem Musical und der Oper, worüber er auch regelmäßig auf kulturfeder.de berichtet.
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