Am 25. Oktober 1648 wurde von der Treppe des Osnabrücker Rathauses der Westfälische Frieden verkündet. In Erinnerung daran wird alljährlich in Osnabrück am 25. Oktober der Friedenstag gefeiert.
Aus diesem Anlass ziehen auch in diesem Jahr am Dienstag, 25. Oktober, die Viertklässler der Grund- und Förderschulen Osnabrücks mit selbstgebastelten Steckenpferden und geschmückt mit farbigen Hüten durch die Innenstadt. Bereits zum 65. Mal findet das Steckenpferdreiten in der Friedensstadt Osnabrück statt. In diesem Jahr ist dieses besondere Ereignis zusätzlich mit einem Weltrekordversuch gekoppelt.

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1.400 Grundschüler reiten durch die Stadt

Rund 1.400 Schülerinnen und Schüler aus den vierten Klassen der Osnabrücker Schulen treffen sich um 17 Uhr an der Johanniskirche, wo sie von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert begrüßt werden. Gemeinsam stimmen dann in diesem Jahr die Klassen der Grundschule Eversburg und der Waldschule Lüstringen mit den Schülerinnen und Schülern der sechsten Klasse der Ismail-Kaymak-Schule aus der türkischen Partnerstadt Çanakkale das „Lied der Steckenpferdreiter“ an, das eigens für dieses Osnabrücker Kinderfest komponiert wurde: „Wir Reiter zieh’n durch Osnabrück und singen für den Frieden…“ und alle anderen steigen mit ein.

Von der Johanniskirche über den Neumarkt zum Rathaus

Gegen 17.15 Uhr setzt sich der farbenfrohe Umzug durch die Johannisstraße über den Neumarkt, die Große Straße, den Nikolaiort, die Krahnstraße, die Marienstraße und die Heger Straße in Bewegung. Diese Route wurde gewählt, um den Kindern einen belebten Hintergrund für ihren Umzug durch die Innenstadt zu bieten und Eltern und Interessierten die Möglichkeit zu geben, den Friedensreiterzug zu beobachten.

Jedes Kind bekommt eine Brezel

Der Umzug wird gegen 18 Uhr auf dem Markt eintreffen. Alle Kinder „reiten“ über die Rathaustreppe, um aus der Hand des Oberbürgermeisters die traditionellen, süßen Brezeln zu erhalten. Danach erwartet die Kinder buntes Musikprogramm auf dem Marktplatz. In einer multimedialen Farbperformance wird „Der Streit der Farben“ in den Fenstern des Rathauses aufgeführt. Mit einer Feuerjonglage und anschließendem Feuerwerk wird die Veranstaltung gegen 19 Uhr beendet.

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Weltrekordversuch:
Außerdem haben alle Ehemaligen und Interessierten, die immer mal teilnehmen wollten oder damals nicht konnten, bereits um 16 Uhr die Möglichkeit, ebenfalls über die Rathaustreppe zu ziehen und dort eine Brezel zu erhalten. Alle Beteiligten werden vom Deutschen Rekord Institut gezählt. Ziel ist es, einen Weltrekord aufzustellen. Startpunkt ist um 16 Uhr der Theatervorplatz. Um spätestens 17 Uhr endet die Parade, und der Platz wird den Schulkindern überlassen. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich. Allen Teilnehmern, die kein Steckenpferd besitzen, stellt die Osnabrück Marketing und Tourismus GmbH 60 Exemplare zur Verfügung. Anmeldung bis zum 17. Oktober und weitere Informationen unter Telefon 0541 323-4413 oder per E-Mail an omt@osnabrueck.de.

Der Neumarkt wird von circa 17.20 bis 18 Uhr für den Busverkehr nicht befahrbar sein. Daher sind Fahrstreckenänderungen und Verspätungen in diesem Zeitraum möglich.

Das Steckenpferdreiten ist ein Friedensfest für Kinder, das ihnen den Gedanken der Toleranz und des friedlichen Zusammenlebens auf spielerische Weise vermitteln soll.

Die Tradition des Steckenpferdreitens geht auf das Jahr 1650 zurück. In dem Jahr des Friedensexekutionshauptrezesses sollten in Nürnberg die praktischen Folgen aus dem zwei Jahre zuvor geschlossenen Westfälischen Friedensvertrag geregelt werden. Damals ritten Nürnberger Jungen mit Steckenpferden zu Fürst Piccolomini, dem Beauftragten des deutschen Kaisers Ferdinand III., um ein „Friedensgedächtnis“, ein Andenken an den Frieden, zu erbitten. Piccolomini ließ nach Abschluss des Exekutionsrezesses eine große Anzahl von silbernen, viereckigen Gedächtnispfennigen prägen, die auf der einen Seite einen Jungen als Steckenpferdreiter zeigen. Auch die Jugend erhielt die Münze, „um die Friedensfreude in die nächste Generation weiterzuvermitteln“.

Die emsländischen Dichterinnen Clara und Emmy von Dincklage bearbeiteten 1875 in ihrem Buch „Geschichten für die Jugend“ das Nürnberger Ereignis. In ihrer Sage ist der Schauplatz der Handlung die Friedensstadt Osnabrück.
Die von Oberbürgermeister Griesert ausgeteilten Brezeln sollen die Erinnerung an den Frieden von 1648 symbolisieren.

Die Geschichte der Schwestern von Dincklage war letztlich die Quelle für das Osnabrücker Steckenpferdreiten, das 1948 der damalige Stadtarchivar Ludwig Bäte (1892-1977) anlässlich des 300. Jubiläums des Westfälischen Friedens im Rahmen der Friedensgedächtniswoche der Stadt Osnabrück ins Leben rief. Damals ritten rund 100 Jungen zu Ehren des Friedens durch die vom Krieg zerstörte Altstadt und umrundeten den Marktplatz zweimal.

Seit 1953 wird das Osnabrücker Steckenpferdreiten jährlich und in erweiterter Form veranstaltet. Seitdem hat es sich zu einem überregional bekannten Kinderfest etabliert.

 

 

Titelbild: © Friso Gensch / via Presseamt der Stadt Osnabrück