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250 Jahre Zeitungen, Journalismus und Medien in Osnabrück – Teil 4

Osnabrücker Zeitungsgeschichte von 1848 bis 1871

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Jedes Land muß billig dergleichen haben…

Am 04. Oktober 1766 war es endlich soweit: die erste Zeitung aus Osnabrück und für die Osnabrücker Bevölkerung wurde herausgegeben. Und zwar von niemand geringerem als Justus Möser, damals Kriminaljustizrat im Fürstbistum Osnabrück und leidenschaftlicher Autor von Berichten zur politischen und kulturellen Situation in seiner Heimatstadt. Das muß gefeiert werden!
Immerhin ist Justus Möser auch heute noch für uns als Kommentator zu wichtigen Themen rund um Osnabrück und den Rest der Welt tätig (zumindest im Geiste).

Im Jubiläumsjahr wird die HASEPOST einmal im Monat eine kurze Übersicht über die historische Entwicklung von Zeitungen, Journalismus und Medien im Großraum Osnabrück geben. Und wir werden am Ende des Jahres versuchen, in die Zukunft zu schauen und die weitere Entwicklung der Osnabrücker Medienlandschaft zu prognostizieren.

Teil 4: Deutschland, einig Vaterland

Das Jahr 1848 bedeutet für die deutsche Geschichte eine gewaltige Zäsur. Erstmals traute sich das Bürgertum in den zahlreichen Königreichen, Herzogtümern, Fürstbistümern und was es sonst noch so an Kleinstaaten im ehemals Heiligen Römischen Reich deutscher Nation gab, gegen die Obrigkeit aufzubegehren. Damit war die Zeit des sogenannten Biedermeier, mit der wir uns im dritten Teil dieser Serie umfassend beschäftigt haben, unwiderruflich vorbei. Auch das Fürstbistum Osnabrück, dessen Grenzen in etwa mit denen des heutigen Landkreises Osnabrück identisch waren, blieb von den Änderungen der politischen Stimmung in Deutschland nicht verschont. Das machte sich natürlich auch bei der Entwicklung des Pressewesens bemerkbar. 1776 hatte der leitende Justizbeamte und begeisterte Publizist Justus Möser mit den „Osnabrückischen Anzeigen“ ein erstes lokales Publikationsorgan für den Großraum Osnabrück gegründet. Von einer Zeitung im heutigen Sinne konnte bei diesem Anzeigenblatt jedoch noch keine Rede sein. Lediglich die fast ausschließlich von Möser verfaßten „Nützlichen Beylagen zum Osnabrückischen Intelligenz-Blatte“ waren von bleibendem publizistischen Wert. Unter dem Titel „Patriotische Phantasien“ wurden sie in weiten Teilen Deutschlands gelesen und diskutiert und gaben wichtige Anstöße zur Entwicklung des am Ende des 18. Jahrhunderts erwachenden deutschen Nationalgedankens.

Im Laufe der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhöhten die nach Mösers Tod von der „Osnabrücker Landdrostei“, dem Vorläufer der heutigen Landkreisverwaltung, herausgegebenen „Osnabrückischen Anzeigen“ ihre Erscheinungsweise auf zwei- und später dreimal wöchentlich. Hauptzweck dieser Publikation war die Veröffentlichung von amtlichen Entscheidungen und Verordnungen. Zwar erweiterte der Herausgeber im Laufe der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts die thematische Vielfalt des Blattes, von einer bürgerlichen Tagespresse war das Amtsorgan aber nach wie vor ziemlich weit entfernt. Blättert man in einzelnen Exemplaren dieser ersten Osnabrücker Zeitung, dann lernt man vor allem etwas über die Bürokratie in jener Zeit und über die Arbeitsweise der Amtsverwaltungen. Es gibt jede Menge Gesetze, Verordnungen, gerichtliche Beschlüsse und Urteile. Daneben bieten die privaten Inserate einen Einblick in das städtische Kulturleben: es gab zahlreiche Veranstaltungshinweise zum Beispiel auf die damals recht beliebten Vereinsversammlungen, die Verkaufsangebote bieten im Nachhinein einen guten Gradmesser für die Entwicklung der regionalen Wirtschaftskraft und des Konsumgüterangebots.

Mit der Einführung der Pressefreiheit im Königreich Hannover gab es dann allerdings auch in Osnabrück Verleger, die sich ab 1848 bemühten, die Idee einer unabhängigen Tageszeitung in die Tat umzusetzen. Wie in fast allen deutschen Staaten nahm auch hier das städtische Pressewesen einen spürbaren Aufschwung, und es kam noch im selben Jahr zur Gründung von zwei Zeitungen. Zum einen erschien 1848 das demokratisch orientierte „Osnabrücker Tageblatt“ mit dem Untertitel „von und für jedermann“, zudem wurde nur kurze Zeit später das eher konservativ orientierte „Osnabrücker Volksblatt“ auf den Weg gebracht. Leider war diesen beiden Zeitungen kein langes Leben vergönnt, sie stellten schon fünf Jahre nach ihrer Erstausgabe gemeinschaftlich wieder ihr Erscheinen ein. Die Gründe hierfür waren vielfältig, müssen wahrscheinlich aber zum größten Teil in den politischen Unruhen jener Zeit gesucht werden und waren mit Sicherheit auch zu einem nicht unbedeutenden Teil wirtschaftlicher Natur. Das Fürstbistum Osnabrück war zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in seiner Wirtschaftskraft weiterhin sehr landwirtschaftlich orientiert und hatte offensichtlich noch keinen Bedarf an zwei miteinander konkurrierenden Tageszeitungen. Einem Großteil der Bevölkerung war das eigene Überleben wichtiger als die Auseinandersetzung mit widerstrebenden politischen Meinungen, hier wirkte die beschauliche Zeit des Biedermeier noch einige Jahre nach. Das „Osnabrücker Volksblatt“, das erstmals am 29. März 1848 als Tageszeitung erschien, änderte zum Beispiel mit dem Abebben der liberalen Bewegung in Deutschland ab dem 01. April 1849 seine Erscheinungsweise. Bis zu seiner Einstellung Ende 1852 erschien es nur noch zweimal wöchentlich. Im Antiquariat H.T. Wenner kann man noch einige alte Ausgaben dieser Osnabrücker Pionierzeitung erwerben. Damals hießen die Überschriften unter anderem: „Über die hiesige Real-Sonntagsschule“, „Stüve´s Resignation“, „Die Behandlung der deutschen Einwanderer in new York“, „Ein Reisepaß für angehende Hollandgänger im Fürstbistum Osnabrück“, „Ergebnisse der Urwahlen in der Stadt Osnabrück am 22. und 23. Januar 1852“ oder „Kaplan Buß, der letzte Mönch des Klosters zu Iburg“. Das Blatt hatte für damalige Verhältnisse dank hochkarätiger Mitarbeiter (mit heute noch in Osnabrück sehr bekannten Persönlichkeiten wie Abeking, Bode, Westerkamp) ein beachtliches publizistisches Niveau, konnte sich aber auf dem freien Markt aus den schon aufgeführten Gründen nicht durchsetzen.

Die Osnabrücker Zeitungsleser mußten bis zum Jahr 1864 dann wieder mal auf eine Tagespresse verzichten. Bei der Suche nach nützlichen Informationen für die Gestaltung ihres Alltagslebens hatten sie sich gezwungenermaßen auf die Ausgaben der amtlichen Nachrichten in den „Osnabrückischen Anzeigen“ zu beschränken. Allerdings wurde noch während der Zugehörigkeit zum Königreich Hannover ein erneuter Versuch unternommen, eine Tageszeitung für den Großraum Osnabrück zu etablieren. Angeregt durch den damaligen Bürgermeister Johannes Miguel hatte erstmals ein bürgerlich-liberales Tageblatt, die „Osnabrücker Zeitung“, vor, den Verlagsmarkt zu bereichern. Nach dem Willen ihres Herausgebers Alexander Liesecke sollte das Blatt neben Politik und Lokalnachrichten auch Beiträge aus den Sparten Feuilleton und Wirtschaft sowie Inserate und amtliche Nachrichten bringen. Doch im Rückblick muß Lieseckes ambitioniertes Projekt als historisch verfrüht bewertet werden. Schon zwei Jahre später stellte auch dieses Osnabrücker Medium sein Erscheinen ein. Der liberalen, zwar preußenfreundlichen, aber auch parteipolitisch ungebundenen „Osnabrücker Zeitung“ wurde der Einmarsch der preußischen Armee im Königreich Hannover im Sommer 1866 zum Verhängnis. Aufgrund des plötzlich einsetzenden starken Ressentiments gegenüber liberalem Gedankengut entschloss sich der Herausgeber unter dem wirtschaftlichen Druck eines abnehmenden Käufer- und Leserpotentials zur kurzfristigen Einstellung der Zeitung. Es war die Zeit der Kämpfe Preußens gegen Österreich um die Vorherrschaft im Deutschen Reich, das allerdings erst fünf Jahre später nach dem Sieg gegen Frankreich offiziell gegründet wurde. Im ehemaligen Königreich Hannover und damit natürlich auch im Osnabrücker Land war die Zeit noch nicht reif für eine unabhängige und moderne Tageszeitung. In den nach 1866 folgenden Jahren herrschte auch unter einer preußischen Regierung weiterhin beschauliche Ruhe im Osnabrücker Pressewesen. Immerhin hatten sich die amtlichen „Osnabrückischen Anzeigen“ der „Osnabrücker Zeitung“ anpassen und ihre Gestaltung und Themenwahl zumindest in Teilbereichen ändern müssen. So überlebte hier wenigstens ein kleiner Teil des neuen Geistes, der durch innovative und auch durchaus wagemutige Medienprojekte zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Osnabrück Einzug hielt. Die Redaktionsarbeit der „Osnabrückischen Anzeigen“ wurde von der Landdrostei in die Hände des bisherigen Druckers R. Meyer übergeben. Meyer wiederum war ein Nachfahre des Verlegers Kißling, der fast hundert Jahre früher für die technische Herstellung der ersten Ausgaben der „Osnabrückischen Anzeigen“ verantwortlich gewesen war. Redaktion, Druck und Verlag waren nun erstmals unter einem Dach vereint. Ein allgemein- und kommunalpolitischer Teil, wie ihn die privaten Herausgeber mit ihren Zeitungsprojekten angestrebt hatten, fehlte allerdings nach wie vor in dem weiterhin von der Landdrostei und damit natürlich von der Obrigkeit und Regierung finanziell unterstützten Blatt. Das Fürstbistum Osnabrück unterwarf sich, wie damals durchaus deutschlandweit üblich, dem Wunsch der preußischen Regierung nach politischer Ruhe und Wohlgesonnenheit gegenüber dem alles überragenden Ziel eines vereinten Deutschlands.

250 Jahre Presse Osnabrück

Die schon erwähnten Osnabrücker Bürgermeister jener Zeit, Stüve und Miguel, standen einem freien Pressewesen durchaus positiv gegenüber und unterstützten immer wieder private Initiativen, die große Ziele wie die Stärkung eines aufgeklärten Bürgertums und die Verbesserung der Bildung des einfachen Volkes im Sinn hatten. Aber auch sie schafften es trotz ihres nicht gerade geringen Einflusses nicht, die Einführung von langlebigen Massenmedien zu etablieren. Vor allem Stüve war zwar selber publizistisch tätig, sah sich aber eher in der Nachfolge Justus Mösers als Osnabrücker Historiker. Und Johannes Miguel, der später sogar mit dem Adelstitel „von“ geehrt wurde, strebte schließlich immer mehr in seinem politischen Wirken über die Grenzen des Fürstbistums Osnabrück hinaus. So geriet die Bedeutung einer Tageszeitung für den Großraum Osnabrück im Bewußtsein der Bevölkerung immer stärker in den Hintergrund. Bis 1871 war das deutsche Volk schließlich in dem Bestreben nach einem einigen Land im wahrsten Sinne des Wortes vereint, nach dem ersehnten Deutschen Reich unter preußischer Führung. In den letzten Jahren vor der Verwirklichung dieses Bestrebens blieben dann kritische und differenzierende Untertöne, die ein freies Pressewesen ausmachen, in ganz Deutschland Mangelware. Osnabrück machte bei dieser allgemeinen Entwicklung keine Ausnahme, wie in dieser Folge unserer Serie über die Osnabrücker Mediengeschichte sehr schön deutlich wurde.

Als Zeitung aus Osnabrück für alle Osnabrücker und solche, die es werden wollen, sieht sich die HASEPOST in der Tradition von Justus Möser. Wir wollen unseren Lesern Journalismus auf hohem Niveau bieten, sind der Wahrheit und Objektivität verpflichtet und begleiten kritisch das aktuelle Geschehen in Osnabrück und der Welt. Und wir sind sehr stolz auf unser großes historisches Vorbild!

Lesen Sie im Teil 5 unserer Reihe „250 Jahre Zeitungen, Journalismus und Medien in Osnabrück“: Deutsche Großmachtträume und der erste Weltkrieg – Osnabrücker Zeitungsgeschichte von 1871 -1918. Voraussichtlich Ende Mai.

Hier geht es zu den bislang erschienen Ausgaben dieser Artikelserie.

Redaktion Hasepost
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