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250 Jahre Zeitungen, Journalismus und Medien in Osnabrück – Teil 2

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Jedes Land muß billig dergleichen haben…

Am 04. Oktober 1766 war es endlich soweit: die erste Zeitung aus Osnabrück und für die Osnabrücker Bevölkerung wurde herausgegeben. Und zwar von niemand geringerem als Justus Möser, damals Kriminaljustizrat im Fürstbistum Osnabrück und leidenschaftlicher Autor von Berichten zur politischen und kulturellen Situation in seiner Heimatstadt. Das muß gefeiert werden!
Immerhin ist Justus Möser auch heute noch für uns als Kommentator zu wichtigen Themen rund um Osnabrück und den Rest der Welt tätig (zumindest im Geiste).

Im Jubiläumsjahr wird die HASEPOST einmal im Monat eine kurze Übersicht über die historische Entwicklung von Zeitungen, Journalismus und Medien im Großraum Osnabrück geben. Und wir werden am Ende des Jahres versuchen, in die Zukunft zu schauen und die weitere Entwicklung der Osnabrücker Medienlandschaft zu prognostizieren. 


Teil 2: Gründervater Möser und die Stagnation unter napoleonischer Herrschaft

Seit dem 04. Oktober 1766 erschienen in Osnabrück die „Wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen“, eine Sammlung von öffentlichen Bekanntmachungen, Verkaufsangeboten und Stellengesuchen. Erscheinungstag war der Sonnabend. Initiiert wurde diese erste Osnabrücker Zeitung von dem Justizrat Justus Möser, der in ihr bis 1782 auch sogenannte „nützliche Beylagen“ bzw. „Westphälische Beyträge zum Nutzen und Vergnügen“ verfaßte, die den offiziellen Teil der „Wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen“ mit Aufsätzen zu allgemeinen politischen und gesellschaftlichen Themen ergänzte. Diese Texte wurden ab 1774 von dem damals sehr bekannten Verleger Friedrich Nicolai als „Patriotische Phantasien“ in Buchform veröffentlicht. Im November des Jahres erschien der erste Band, 1775 der zweite, 1778 der dritte und nach längerer Pause erst 1786 der vierte Teil, ein geplanter fünfter kam mangels Masse nicht mehr zustande. Die beiden ersten Bände brachten Möser 1776 die ehrenvolle Berufung in die Akademie der Wissenschaften zu Erfurt als korrespondierendes Mitglied ein. Die Resonanz auf Mösers publizistisches Wirken in Osnabrück war weit über die Grenzen der Stadt hinaus positiv, ja regelrecht euphorisch. Schon 1775 schrieb ein anonymer Rezensent in den „Göttingischen Anzeigen von gelehrten Sachen“: „Wir finden den Titel dem Inhalte recht anpassend. Patriotismus überall; nicht Verachtung des Ausländischen, welches der Verfasser zu gut kennt; nicht Forderungen, die wider unser Staatssystem streiten; sondern getreue Anzeige unserer Fehler, mit Vorschlägen zur Besserung und Ermunterung durch Erinnerungen an das was wir waren.“ Eine umfassende Würdigung der „Patriotischen Phantasien“ und ihres Verfassers bietet niemand geringeres als Johann Wolfgang von Goethe. In Dichtung und Wahrheit (1814) berichtete er, wie er nach dem Erfolg des von Mösers Aufsatz „Von dem Faustrechte“ beeinflussten Dramas „Götz von Berlichingen“ (1773) und seines Bestsellers „Die Leiden des jungen Werther“ (1774) den Kontakt zu dem Osnabrücker gesucht hatte: „Mißfiel es nun dem jungen Autor keineswegs, als ein literarisches Meteor angestaunt zu werden; so suchte er mit freudiger Bescheidenheit den bewährtesten Männern des Vaterlands seine Achtung zu bezeigen, unter denen vor allem der herrliche Justus Möser zu nennen ist. Dieses unvergeßlichen Mannes kleine Aufsätze, staatsbürgerlichen Inhalts, waren schon seit einigen Jahren in den Osnabrücker Intelligenzblättern abgedruckt…“ Goethe war also offensichtlich von Möser schwer beeindruckt, seine Lobpreisungen fanden kein Ende: „Ein vollkommener Geschäftsmann spricht zum Volke in Wochenblättern, um dasjenige, was eine einsichtige wohlwollende Regierung sich vornimmt oder ausführt, einem Jeden von der rechten Seite faßlich zu machen; keineswegs aber lehrhaft, sondern in den mannigfaltigsten Formen , die man poetisch nennen könnte, und die gewiß in dem besten Sinn für rhetorisch gelten müssen. Immer ist er über seinen Gegenstand erhaben und weiß uns eine heitere Ansicht des Ernstesten zu geben; bald hinter dieser bald hinter jener Maske halb versteckt, bald in eigener Person sprechend, immer vollständig und erschöpfend, dabei immer froh, mehr oder weniger ironisch, durchaus tüchtig, rechtschaffen, wohlmeinend, ja manchmal derb und deftig, und dieses alles so abgemessen, daß man zugleich den Geist, den Verstand, die Leichtigkeit, Gewandheit, den Geschmack und Charakter des Schriftstellers bewundern muß.“ Schöner kann man seine Verehrung für den Gründervater des Osnabrücker Zeitungswesens kaum zum Ausdruck bringen.

250 Jahre Presse Osnabrück

Auch nach Niederlegung der Redaktion der „Wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen“ im Jahr 1782 blieb Möser publizistisch tätig. Bis 1792 versorgte er die Zeitung seiner Heimatstadt weiterhin regelmäßig mit redaktionellen Beiträgen, war aber auch für andere Presseerzeugnisse journalistisch tätig. Seine literarische Produktivität nahm allerdings in seinen letzten Lebensjahren kontinuierlich ab, er starb im Januar 1794 im Alter von 73 Jahren. Die Vernachlässigung der publizistischen Tätigkeit lag auch daran, daß er sich mit zunehmendem Alter wieder mehr seinen Aufgaben als Politiker und Verwaltungsfachmann widmen mußte. Seine Tochter Jenny von Voigts schrieb im Dezember 1783 an eine Freundin: „Allein er schreibt wenig mehr, und daßjenige was er noch im vorrath hat schickt er an Biestern in seinem Berliner Journal, ich möchte oft wünschen daß mein guter vatter weniger Geschäfte hatte, um sich mehr den Geistes Arbeiten überlassen zu können, sein Satz ist wenn er einem Bauern sein Elend erleichterte daß er dan zum algemeinen Nutzen mehr beytrüge, als durch Bände von Schriften.“

Nach dem Tode Justus Mösers ist das Osnabrücker Pressewesen für mehr als 50 Jahre nicht mehr zu alter Blüte auferstanden. Das mag zum einen dem tragischen Verlusts des Übervaters der Gründerjahre geschuldet sein, resultiert aber nicht ganz unwesentlich aus den politischen Verwerfungen gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Vor allem der französischen Revolution verdankte die gesamte deutsche Presselandschaft zunächst einmal einen starken Aufschwung. In den friedlichen Jahrzehnten zwischen Siebenjährigem Krieg und Französischer Revolution (1763-1789) entwickelte sich die Aufklärung in Deutschland von einer literarisch-philosophischen Strömung zu einer alle Bereiche des Staates umfassenden Reformbewegung. Es entstand ein Reformenthusiasmus, der von den Zeitungen und Zeitschriften maßgeblich mitgetragen wurde. Hamburg wurde zum Zentrum der europäischen Zeitungsproduktion. Und die Französische Revolution löste dann eine weitere Auflagensteigerung der Tagespresse aus. Bei einer Gesamtauflage von über 300.000 Exemplaren erreichten um 1800 die rund 200 deutschen Zeitungen mehr als drei Millionen Leser, somit jeden dritten männlichen Deutschen. Aus Furcht vor neuen Revolutionen und Aufständen verschärften zu dieser Zeit die meisten deutschen Regierungen allerdings die zuvor recht nachlässig ausgeübte Pressezensur. Um 1810 gab Napoleon Bonaparte ein Presseedikt heraus, daß unmittelbar Bedeutung für die deutschen Kleinstaaten hatte, weil sie zu dieser Zeit entweder unter französischer Besatzung standen oder eng mit Frankreich verbunden waren. Napoleon verfügte, daß die dem französischen Kaiserreich eingegliederten Teile Deutschlands (die Hansestädte und das Rheinland) zweisprachig, also auf deutsch und französisch, erscheinen mußten und ihren Stoff der Pariser Zeitung „Moniteur“ zu entnehmen hatten, einem Blatt, daß natürlich ganz auf Napoleons Linie lag und kritische Meinungen, Berichte und Kommentare nicht einmal im Ansatz zuließ. Für zwei Jahre, während der sogenannten Befreiungskriege von 1813 bis 1815, konnte sich die Presse in Deutschland dann zwecks Entfachung eines Nationalpatriotismus zur Beendigung der napoleonischen Herrschaft noch einmal relativ frei entfalten. Diese Entwicklung blieb aber eine zarte Scheinblüte, weil danach ein Zeitalter der Restauration der alten politischen Verhältnisse in ganz Europa anbrach, daß der Entwicklung einer freien Presse auch in den deutschen Staaten schweren Schaden zufügte, sie sozusagen gänzlich unmöglich machte.

Osnabrück konnte sich den politischen Umwälzungen jener Zeit nur schwer entziehen. Bereits 1803 wurde die Stadt von französischen Truppen besetzt, 1806 gehörte sie für kurze Zeit zum Königreich Preußen, 1807 fiel sie an das von Napoleon geschaffene neue Königreich Westphalen und 1810 fiel die Hasemetropole dann wieder zurück an das französische Kaiserreich. Nach dem Sturz Napoleons gehörte Osnabrück schließlich zu dem im Zuge des Wiener Kongresses errichteten Königreich Hannover. Eigenständige Presse existierte in diesen Jahren der ständigen politischen Veränderungen nicht mehr, das Osnabrücker Pressewesen lag am Boden. 20 Jahre nach dem Tode des Gründervaters Justus Mösers gab es keine eigenständige Osnabrücker Zeitung mehr.

Als Zeitung aus Osnabrück für alle Osnabrücker und solche, die es werden wollen, sieht sich die HASEPOST in der Tradition von Justus Möser. Wir wollen unseren Lesern Journalismus auf hohem Niveau bieten, sind der Wahrheit und Objektivität verpflichtet und begleiten kritisch das aktuelle Geschehen in Osnabrück und der Welt. Und wir sind sehr stolz auf unser großes historisches Vorbild!

Lesen Sie Ende März 2016 Teil 3 unserer Reihe „250 Jahre Zeitungen, Journalismus und Medien in Osnabrück“: Restauration, Biedermeier und Vormärz – Osnabrücker Zeitungsgeschichte von 1815 bis 1848.

Hier geht es zu den bislang erschienen Ausgaben dieser Artikelserie.

Redaktion Hasepost
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