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250 Jahre Zeitungen, Journalismus und Medien in Osnabrück

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Jedes Land muß billig dergleichen haben…

Am 04. Oktober 1766 war es endlich soweit: die erste Zeitung aus Osnabrück und für die Osnabrücker Bevölkerung wurde herausgegeben. Und zwar von niemand geringerem als Justus Möser, damals Kriminaljustizrat im Fürstbistum Osnabrück und leidenschaftlicher Autor von Berichten zur politischen und kulturellen Situation in seiner Heimatstadt. Das muß gefeiert werden!
Immerhin ist Justus Möser auch heute noch für uns als Kommentator zu wichtigen Themen rund um Osnabrück und den Rest der Welt tätig (zumindest im Geiste).

Im Jubiläumsjahr wird die HASEPOST einmal im Monat eine kurze Übersicht über die historische Entwicklung von Zeitungen, Journalismus und Medien im Großraum Osnabrück geben. Und wir werden am Ende des Jahres versuchen, in die Zukunft zu schauen und die weitere Entwicklung der Osnabrücker Medienlandschaft zu prognostizieren.


 

Teil 1: Die Anfänge

Justus Möser hatte sich publizistisch bereits auf vielerlei Art und Weise betätigt, als er 1766 die Gründung einer Wochenzeitung für Stadt und Fürstbistum Osnabrück initiierte. Seit mehr als 10 Jahren hatte er zu diesem Zeitpunkt schon in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht, unter anderem in den „Hannoverschen Gelehrten Anzeigen“, den „Mindenschen Anzeigen“ und dem „Hannoverschen Magazin“. Mit Unterstützung der Regierung erschien dann auf seine Anregung hin am 04. Oktober die erste Ausgabe der „Wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen“. Sie beinhaltete ein sogenanntes Intelligenzblatt: einen Anzeigenteil mit amtlichen Verlautbarungen wie Gerichtsterminen, Gesetzen, Verordnungen, Vorladungen, Beförderungen, Steckbriefen und ähnlichen verwaltungstechnischen Dingen. Es waren damals aber auch schon Anzeigen von Privatpersonen zu finden, zum Beispiel Verkaufsangebote und Stellengesuche. „Ueberhaupt soll alles, was zur Notiz des Publici gehöre, demselben einverleibt werden“, heißt es in einer Ankündigung der Zeitungsherausgabe vom 01. September 1766.


Zu diesem Intelligenzblatt gehörte von der ersten Ausgabe an eine Beilage, in der in wechselnder literarischer Gestalt die verschiedensten Themen aus Wissenschaft und Technik behandelt wurden. Es erschienen aber auch Abhandlungen über Sitten und Gebräuche sowie über die Osnabrücker Geschichte, Mösers persönliches Steckenpferd. Einen Schwerpunkt dieser Beilage bildeten aber vor allem Artikel, die sich mit der Verbesserung des einheimischen Wirtschaftslebens befaßten. „Jedes Land muß billig dergleichen haben, und eher als eine Societät der Wissenschafften“, ließ Möser nach dem Erscheinen der ersten Ausgabe Thomas Abbt wissen, einen seinerzeit sehr bedeutenden Schriftsteller und Philosophen der Aufklärung.

250 Jahre Presse Osnabrück

Möser, der die „Wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen“ von 1766 bis zum April 1782 redaktionell betreute, mußte für die Beilagen, die von 1768 bis 1772 den Titel „Nützliche Beylagen“ trugen und ab 1773 dann „Westphälische Beyträge zum Nutzen und Vergnügen“ hießen, zunächst fast ganz allein die Texte verfassen, da eingesandte Beiträge seinen qualitativen Ansprüchen häufig nicht genügten. Über diesen Umstand beklagte er sich auch des Öfteren in der Öffentlichkeit. Um Abhilfe zu schaffen, machte er in der Zeitung Vorschläge, wie Artikel abgefaßt sein sollten, damit sie publiziert werden konnten. Zudem übernahm Möser Beiträge aus anderen Publikationen, und seine Artikel wurden unter anderem in den „Braunschweigischen Anzeigen“, den „Lippischen Intelligenzblättern“, der „Erfurtischen gelehrten Zeitung“ und in den „Hamburgischen Addreß-Comtoir Nachrichten“ abgedruckt.

Die journalistische Tätigkeit Mösers sorgte bei einigen seiner berühmten Zeitgenossen für allerlei Aufregung. Johann Gottfried Herder äußerte sich bereits 1772 über seine publizistischen Unternehmungen sehr enthusiastisch. In einer Rezension in Friedrich Nicolais „Allgemeiner deutscher Bibliothek“ ließ er es sich nicht nehmen, „das Vollkommenste Deutsche Nationalblatt anzuführen und zu rühmen, das Er kennet. Und wo erwartet dies der Leser etwa? In Sachsen? in Berlin? in Göttingen? – In Westphalen! Die Nützlichen Beyträge zum Osnabrückischen Intelligenzblatt, sind meistens wahrhaftig nützlich. Hr. Möser, der Verfasser der ersten Deutschen Geschichte, mit Deutschem Kopf und Herzen, hat selbst darüber nicht blos die Aufsicht, sondern auch so viel Theil dran, daß Moralische Predigten, und witzige Langweiligkeiten fast gar nicht; vorkommen.“

Soviel Lob aus der Feder eines der bis heute wichtigsten deutschen Dichter und Kulturphilosophen ging an Möser offensichtlich nicht spurlos vorüber. Im April 1774 schrieb er an Friedrich Nicolai, der damals einer der führenden deutschen Verleger war: „Ich bin willens, einige kurze Aufsätze, welche seit einigen Jahren in den hiesigen und benachbarten Intelligenzblättern abgedruckt sind, insgesamt die politische Moral und die Polizei betreffen und mehrenteils ihren eigenen komischen Ton haben, unter dem Titel von Patriotischen Phantasien sammeln und abdrucken zu lassen, und halte mich verpflichtet, solche Ihnen vor allen andern zum Verlag anzubieten.“ Nicolai fühlte sich Möser gegenüber wohl in gleicher Weise verpflichtet und nahm die „Patriotischen Phantasien“, das literarische Hauptwerk Mösers, in sein Verlagsprogramm auf.

Rückblickend kann man sagen, daß die Osnabrücker Medienlandschaft ohne Justus Möser sicherlich erst wesentlich später als 1766 entstanden wäre. Zudem hat Möser von Anfang an für ein hohes Niveau der Publikationen gesorgt. Jetzt, 250 Jahre später, stehen die Medien weltweit vor ähnlichen Herausforderungen wie der Gründervater der Osnabrücker Presse: Zeitungen und Journalismus müssen neu gedacht werden. Als Zeitung aus Osnabrück für alle Osnabrücker und solche, die es werden wollen, sieht sich die HASEPOST in der Tradition von Justus Möser. Wir wollen unseren Lesern Journalismus auf hohem Niveau bieten, sind der Wahrheit und Objektivität verpflichtet und begleiten kritisch das aktuelle Geschehen in Osnabrück und der Welt. Und wir sind sehr stolz auf unser großes historisches Vorbild!

Lesen Sie am 14. Februar Teil 2 unserer Reihe „250 Jahre Zeitungen, Journalismus und Medien in Osnabrück“: Wie es mit Justus Möser und den „Wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen“ weiterging und wie das Pressewesen in Osnabrück zur Zeit der napoleonischen Besatzung aussah.

Hier geht es zu den bislang erschienen Ausgaben dieser Artikelserie.

 

Redaktion Hasepost
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