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1,5 Meter sind Pflicht – ADFC und Attac demonstrieren in Osnabrück für Einhaltung der Abstandsregeln

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Seit dem 28. April müssen Autofahrer mindestens 1,5 Meter Abstand zu Fahrradfahrern halten. Wenn das nicht möglich ist, dürfen Radfahrer nicht überholt werden. Mit einer gemeinsamen Protestaktion fordern der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und Attac Autofahrer auf, sich an geltendes Recht zu halten. 

Fahrradfahrer leben in Osnabrück gefährlich. Allein 2019 gab es 519 Unfälle mit beteiligten Radfahrern, eine Person kam ums Leben. Um mehr Sicherheit zu schaffen, wurde im April die Straßenverkehrsordnung verschärft, fortan müssen Autos mindestens 1,5 Meter Abstand zu Fahrradfahrern halten. Doch nur wenige Autofahrer befolgen die neue Regel, viele haben noch nicht einmal von ihr gehört. Auch die Infrastruktur ist vielerorts, zum Beispiel am Hasetorwall, ungeeignet. Am späten Nachmittag des 10. Septembers, haben sich etwa 15 Aktivisten am Heger Tor getroffen, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen. Sie befestigten 1,5 Meter lange Schwimmnudeln an ihren Fahrrädern und fuhren in kleinen Gruppen durch die Stadt. So sollen Autofahrer auf den Sicherheitsabstand aufmerksam gemacht und der Politik die schwierige Lage auf den Straßen verdeutlicht werden.

Mit entfernbarer Kreidefarbe markieren die Aktivisten den 1,5 Meter Abstand. Das Befolgen der Regel ist am Heger Tor kaum möglich.

Autofahrer sollen Regeln befolgen

“Ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad und erlebe mindestens einmal pro Woche eine lebensgefährliche Situation,” sagt Marita Thöle vom Osnabrücker ADFC. “Wir wollen mit der Aktion auf die neue Rechtslage hinweisen und fordern Autofahrer dazu auf, den Mindestabstand auch einzuhalten. Viele Verkehrsteilnehmer wissen gar nicht, wie viel 1,5 Meter wirklich sind, ich war beim Befestigen der Schwimmnudel selbst erstaunt. Von der Politik wünsche ich mir Radwege und Straßen, die die Einhaltung des Mindestabstandes ermöglichen, sowie eine bessere Ampelschaltung. Außerdem sollten Radfahrer als Verkehrsteilnehmer endlich ernstgenommen werden.” Dörte Schottky, die ebenfalls an der Aktion teilnimmt, ergänzt: “Viele Autofahrer beklagen sich über Rüpel-Radler, doch brechen selbst ständig die Verkehrs- und Abstandsregeln, oder kennen sie noch nicht mal. Es gibt immer mehr Radfahrer, doch die Infrastruktur gibt das nicht her. Bis die Radwege und Straßen entsprechend angepasst sind, sind wir darauf angewiesen, dass sich die Autofahrer an die Regeln halten.”

Etwa 15 Aktivisten haben sich am Heger Tor zum gemeinsamen Protest getroffen.

Mehr Radverkehr sorgt für mehr Konflikte

In den letzten Jahren hat der Fahrradverkehr in Deutschland stark zugenommen. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend noch verstärkt, da viele Menschen nur noch ungern mit Bus und Bahn fahren. Besonders Städte stellt diese Entwicklung vor ein Problem: Mit 68 Prozent geschehen die meisten Unfälle innerorts. Hier konkurrieren immer mehr Fußgänger, Radfahrer, Autos oder Busse um den Platz auf der Straße. Daten des Umweltbundesamtes zufolge nahm alleine der Radverkehr zwischen 2007 und 2016 um etwa sechs Milliarden Personenkilometer zu. Die wenigsten Städte haben sich auf diese Entwicklung gut vorbereitet und ihre Infrastruktur angepasst. Vielerorts fehlen geeignete Radwege, sie sind außerdem häufig nicht örtlich abgetrennt zur Straße oder es stehen Falschparker darauf. Radfahrer müssen ausweichen und somit ihr Unfallrisiko erhöhten. Vor allem an Kreuzungen kommt es zu tödlichen Fahrradunfällen durch Autos und LKW. Der ADFC fordert daher getrennte Ampelphasen, die zunächst Radfahrerinnen und Radfahrer und anschließend den motorisierten Verkehr durchlassen. Langfristig wünscht sich der Fahrradclub eine Neuaufteilung des Verkehrsraums. Da das ein langwieriger Prozess sei, seien bis dahin kleine Schritte, wie die Einhaltung des Mindestabstandes, notwendig um die Sicherheit zu gewährleisten.


Lukas Brockfeld
Lukas Brockfeld ist seit dem Sommer 2019, erst als Praktikant und inzwischen als fester Mitarbeiter, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.

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