Osnabrück zahlt nicht mehr mobil

Es war ein mutiger Schritt ausgerechnet in der beschaulichen Hasestadt ein mobiles Bezahlverfahren einzuführen, während Banken und Technologieriesen noch über weltweit gültige Standards diskutierten.
Offenbar hat David aber den Kampf gegen Goliath verloren. Das mit viel Medienrummel – vor allem vom Medienpartner NOZ – begleitete Pilotprojekt „Safe & Quick Mobile Payment“ (kurz: SQ) wird zum Monatsende eingestellt.

Bargeldloses Zahlen wo sonst nur Bargeld lacht

Osnabrück zahlt nicht mehr mobilEin bunter Schnitt quer durch die Osnabrücker Einzelhandels- und Gastronomielandschaft akzeptierte ab Herbst 2013 das Handy als Bezahlfunktion. Von Beginn an dabei waren zum Beispiel die Filmpassage, McDonalds an der Pagenstecherstraße oder der Grüne Jäger – alles keine Orte an denen man sonst bargeldlos bezahlen kann.
Pascal Rupp, Wirt des Grünen Jägers, wird in Zukunft wieder auf reine Barzahlung setzen. Von der App hingegen war er schnell überzeugt. Nach seinen Angaben war es für ihn sehr positiv, dass er als Partner sich um wenig kümmern musste. Die Softwareinstallation wurde von Fachleuten übernommen und anders als bei EC- oder Kreditkartenterminals gab es keine zusätzlichen Kosten für Hard- oder Software.

Bezahl-App bot auch einen “Toilettenfinder”

Mit der Lokalzeitung NOZ hatte der Flensburger Technologiepartner “mr. net group” einen starken lokalen Partner gefunden. Neben reichlich begleitender Medienberichterstattung lieferte das Medienhaus auch gleich die passende App, in der die Bezahlfunktion integriert wurde.
Ein Android- oder Apple-Smartphone ist Voraussetzung für die App „Osnabrück | Osnabrücker Land“, an der sich auch die Osnabrück Marketing und Tourismus GmbH (OMT), der Tourismusverband Osnabrücker Land e.V. und der Landkreis Osnabrück beteiligen.
Die App, die auch nach dem Ende der Zahlfunktion weiter funktionieren soll, bietet zahlreiche Informationen aus Osnabrück und dem Osnabrücker Land.
Etwas skurril: “nur einen Klick” von der Bezahlfunktion entfernt findet sich eine Funktion, mit der sich eine öffentliche Toilette finden lässt. Die Bedürfnisse können halt recht unterschiedlich sein.

War es ein Erfolg? Zahlen lügen nicht…, oder?

Als Antwort auf eine Anfrage der FDP-Stadtratsfraktion lieferten OMT und Verwaltung vor ein paar Tagen nüchterne Zahlen zu dem Pilotprojekt, das der Anbieter inzwischen auf seiner Website als “erfolgreich beendet” bezeichnet.

So belief sich die Zahl der registrierten Nutzer der Bezahlfunktion auf 2.189.
Erstaunlich ist, dass nach erfolgreicher Registrierung die tatsächliche Nutzung offenbar eine große Hürde darstellte. Transaktionen über die Bezahlfunktion wurden laut Stadtverwaltung nur 1.669 mal registriert. Auch die Zahl der teilnehmenden Betriebe blieb bis zum Schluss übersichtlich. Waren es laut Pressemeldung von mr. commerce zum Start 2013 bereits 25 Akzeptanzstellen, so gibt die Verwaltung am Ende nur 40 teilnehmende Betriebe an.

Der Anbieter mr. commerce scheint allerdings irgendwie anders gezählt zu haben. In einer abschliessenden Pressemeldung vom Mai heisst es “über 3.500 Kunden” hätten sich im Projektzeitraum für die Nutzung der Bezahlfunktion registriert. Auch die Zahl der teilnehmenden Betriebe wird von mr. commerce mit “mehr als 50” deutlich positiver angegeben.
Auf diese nicht unerhebliche Abweichung der Kennziffern angesprochen, erklärte Marketingleiter Michael Gottburg auf Nachfrage der Redaktion einen möglichen “falschen Datenabgleich” als Grund für die zwischen Flensburg und Osnabrück abweichend angegebenen Zahlen, auch käme es darauf an, wie man registrierte Benutzer definiere.

Obwohl der Erfolg also eher überschaubar war, entstanden für die beteiligten Stellen der Stadt und des Landkreises Osnabrück keine Kosten. Die Verwaltung teilte auf die Anfrage der FDP mit, dass “Kosten und Provisionserlöse der Funktion” zwar defizitär, aber “auf Risiko der NOZ” gelaufen seien.
Aus Sicht der Verwaltung ist “kein zwingendes Bedürfnis des Marktes (in Osnabrück) für diese Art der Bezahltechnologie festzustellen”.

Apple, Aldi und Google stehen in den Startlöchern

Wie geht es weiter mit dem bargeldlosen Bezahlen? Deutschlands größter Discounter Aldi kündigte erst vor ein paar Tagen an, in allen 2.400 Filialen von Aldi Nord das Bezahlen mit dem Handy zu ermöglichen. Der Service ist ab sofort verfügbar – auch in Osnabrück. Benötigt wird ein Android Smartphone auf dem eine “Wallet-App” installiert ist, dort wird eine virtuelle Maestro- oder V-Pay-Debitkarte hinterlegt.
Bereits seit Herbst vergangenen Jahres rollt Apple den amerikanischen Markt mit seiner Funktion “Apple Pay” auf. Apple ist in den USA inzwischen Marktführer beim Bezahlen mit dem Smartphone. Über den Dienst kann mit dem iPhone in teilnehmenden Geschäften bezahlt werden, indem das Smartphone an das Lesegerät an der Kasse gehalten wird. Die Identifizierung erfolgt über den Fingerabdruck-Sensor der in allen aktuellen iPhone-Modellen integriert ist. Mit der jetzt laufenden Ausweitung dieses Services nach Großbritannien und China ist die Internationalisierung voll im Gange.
Google bietet mit seinen Android-Telefonen bereits die technische Basis für die bei Aldi eingesetzte Wallet-Bezahlfunktion, will aber bald mit “Android Pay” einen Dienst anbieten, der dem bereits erfolgreich gestarteten “Apple Pay” nacheifert – vorerst allerdings auch erst in den USA.

KEINE KOMMENTARE